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  • Parallele Realitäten • Roman Gruber

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Darum geht es in diesem Buch



Und er hatte doch recht! Es gab ein Paradies.
Sie war gekommen, um ihn zu empfangen. Es schien, als würde sie von einem Hügel herabblicken, weit weg, aber nah genug, um die Details von ihrem Gesicht erkennen zu können. Alex sah in ihre leuchtend smaragdgrünen Augen. Dann schweifte sein Blick zu ihrer kleinen Narbe an der rechten Wange. Er fand diese erotisch, schön. Nancy mochte sie gar nicht. Sie hasste diesen kleinen Schnitt. Zu tief waren die Schmerzen, welche sie verursacht hatten.

Alex hörte kaum noch den Feuerregen, welcher auf die Erde niederprasselte, die ohrenbetäubenden Explosionen und der Geruch nach verbrannter Erde. Er spürte auch die Schmerzen in seinen Füßen nicht mehr, welche kaum noch als solche erkennbar waren. Zu groß war der Einfluss der körpereigenen Drogen, sodass er nur mehr ein Bild sah: ihr Gesicht in einem rot leuchtenden Schein. So wunderschön wie an dem Tag, als er sie das erste Mal sah. In seinen Gedanken spielte es La Luna von Belinda Carlisle.

Es war genau vor zwei Jahren, als er die Liebe seines Lebens traf. Es war genau vor einem Jahr und sechs Monaten, als er sie heiratete. Die Ehe verlief fabelhaft, wenn nicht sechs Monate und sechs Tage nach ihrer Hochzeit diese verflixte schwarze Katze seinen Weg gekreuzt hätte - und dies auch noch von links nach rechts. Wenn nicht sechs Sekunden nachdem er über dieses verflixte kratzende Ding stolperte, das Telefon aufhörte zu klingeln und er nur mehr das eintönige Summen aus dem Hörer vernahm.

Kapitel 1: Die Sonne scheint

Alex verließ erschöpft die Fabrik und ging zu seinem Auto. Er hatte diese Nacht schlecht geschlafen und es fielen ihn ständig die Augen zu. Heute freute er sich besonders endlich die Heimfahrt antreten zu können. Jeden Tag kontrollierte er sorgfältig hunderte von Kugellagern. Meist waren sie dieselben, nur manchmal bekam er besondere Exemplare von der Forschungsabteilung. Das war dann meistens auch schon das Highlight der Woche. Er quetschte seinen langen, dünnen Körper in sein rotes Auto. Nicht, dass das Auto so klein wäre, aber der Sitz ließ sich oft nicht verstellen. Es war doch schon etwas in die Jahre gekommen. Alex hatte einen technischen Beruf und ein Haus, doch war handwerklich nicht besonders begabt, um den dämlichen Autositz zu reparieren. Zum Glück war Alex noch junge, dreißig Jahre und gelenkig. Wenn er es in das Auto geschafft hatte, war die Sitzposition allerdings ganz gemütlich. Man gewöhnte sich an alles. Am Rückspiegel baumelte ein kleines Kreuz herab und daneben hing ein nach Vanille duftendes, gelbes Bäumchen. Wie nach jedem Arbeitstag richtete er sein braunes Haar zurecht und startete danach den Wagen.

Die eintönige Straße führte nahezu schnurgerade von Nolems Fabrik, vorbei an einem kleinen Dorf namens Norten bis nach Hampten, einer Stadt mit einhunderttausend Einwohnern. Er mochte die schmutzige Kleinstadt nicht und war froh, dass sein Haus genau zwischen Norten und Hampten, an einer ruhigen, nach der Seite abbiegenden Straße lag. Der Weg bis zum Dorf, lud ein, verschlafen immer geradeaus zufahren. Fast wie in Trance schwebte er über den Straßenasphalt, den Fuß immer mit dem gleichen Druck am Gaspedal, immer das gleiche Motorengeräusch in seinen Ohren. Im Radio waren die ersten Takte von Bonnie Tyler - Total Eclipse of the Heart zu hören. Doch etwas am Straßenrand weckte seinen verschlafenen Blick.

Eine schwarze Katze wollte seinen Weg von links nach rechts kreuzen, das musste nicht unbedingt sein. Er stieg etwas fester auf das Gaspedal, um an der Katze vorbeizufahren, welche langsam am Straßenrand vorbei schlenderte. Sein Blick war so auf die Katze fixiert, dass er fast die junge Frau übersah, welche den vor ihm liegenden Zebrastreifen von der rechten Seite überqueren wollte. Im letzten Moment konnte er noch eine Vollbremsung durchführen. Die Reifen quietschten und mit einem leichten Ruck blieb das rote Fahrzeug stehen. Es war ein sanftes "Dock" zu hören. Der Oberkörper der Dame neigte sich über die Kühlerhaube und ihr Kopf schlug leicht mit dem Gesicht nach vorne auf. Ihr blondes Haar wirbelte wild vor seiner Windschutzscheibe. Vor Schreck starrte er die Dame an, sodass er nicht die Schwanzspitze der Katze in dem Café verschwinden sah, welches sich auf der rechten Seite der Straße befand. Der Kopf der Dame erhob sich und sie starrten sich beide, wenige Zentimeter voneinander durch eine Glasscheibe getrennt, an. Sie war vom Schock des Aufpralles weiß im Gesicht und hatte einen kleinen Schnitt an der Lippe. Ihre langen blonden Haare hingen wirr nach allen Seiten herunter. Ein einzelner Blutstropfen schlängelte sich vom Kinn über den Hals, glitt fast erotisch ihrem rechten Busen entlang und verschwand in ihrem Ausschnitt. Alex' Blick richtete sich wieder aufwärts zu ihrem Gesicht, zu ihren smaragdgrünen Augen, welche ihn noch immer anstarrten. Die letzten Verse von Bonnie Tyler - Total Eclipse of the Heart erklangen aus seinem Radio. Diese Sekunden kamen ihm wie eine Ewigkeit vor und sollten sich für die Ewigkeit in seinem Gehirn einbrennen. Endlich fand er Worte.
"Oh mein Gott, ist alles in Ordnung?", fragte er.
Obwohl ihm die Frage natürlich dumm vorkam. Sie hatte einen Schnitt an ihrer Lippe und eventuell gebrochene Kniescheiben. Er stieg aus dem Auto aus. Sie stand aufrecht in ihrem weißen Kleid vor ihm. Sie war schlank, aber nicht besonders groß. Gott sei Dank! Ihre Beine schienen in Ordnung zu sein.
"Ja, ähm, ja, ich denke schon.", stammelte sie etwas verwirrt.
"Kommen Sie.", sagte er besorgt.
Er stützte sie am Arm und setze sie auf den Randstein, damit sie sich etwas erholen konnte.
Hektisch fragte er: "Vielleicht sollten wir uns ein Glas Wasser von dem Café an der Ecke holen. Was halten Sie von dieser Idee?"
Die junge Dame antwortete sehr verwirrt: "Oh, ähm - ja."
Alex: "Warten Sie, ich parke mein Auto."

Parkplätze gab es in diesem Dorf genug. Die meisten Menschen waren in die Stadt gezogen. Die Straße war nur mehr eine Durchzugsstraße, an der ab und zu Fabriksarbeiter hielten, um sich einen kleinen Drink zu genehmigen, bevor sie in die stinkende Stadt mussten. Alex liebte sein Leben in seinem Haus vor den Toren der Stadt. Er mochte das hektische Treiben der Menschen nicht und sie mochten Alex' strenggläubige Ansichten nicht. Vielleicht war er etwas komisch. Er besaß kein Mobiltelefon, um nicht abgehört werden zu können. Er kannte jeden Aberglauben von Ost bis West. Aber ist nicht jeder irgendwie abergläubisch? Vielleicht war es bei ihm ein bisschen zu viel? Vielleicht mochten es andere übertrieben finden, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, zu beten, aber hatte das nicht nahezu die gesamten Generationen vor uns getan? Keinen Sex vor der Ehe hat ihm wahrscheinlich einige Chancen vertan, aber er wusste, eines Tages wird die Richtige kommen, die Geduld und Gefühl mitbringt. Dann wird er eine richtige Familie aufbauen. Er war eben dreißig Jahre alt geworden, langsam war es an der Zeit, eine Partnerin zu finden.

Er parkte das Auto und ging zu der jungen Dame, die mittlerweile aufgestanden war.
"Mein Gott. Es tut mir so, so leid! Da war diese Katze und ich, ich… ."
"Schon gut.", erwiderte sie und fuhr fort: "Ich denke, ich habe nur einen kleinen Schock. Es ist ja alles gut ausgegangen."
"Kommen Sie, das Café hat zum Glück offen. Ein Glas kaltes Wasser wird Ihnen guttun."
Sie betraten das Café. Es befanden sich nur vier Tische darin. Das Mobiliar war schon in die Jahre gekommen. Doch wirkte es sehr sauber. Kaum hatten sie sich zum ersten Tisch gesetzt, tauchte auch schon die Kellnerin auf. Sie hatte schulterlange rote Haare, war kleiner Statur und sah etwas überarbeitet aus. Sie war der Typ Frau, der man ansah, dass sie den Job schon ewig machen würde. Sie zeigte ein kurzes berufliches Lächeln, folgend mit einer freundlichen Begrüßung. Auf ihrem Namensschild war Nelly zu lesen.
"Zwei Gläser kaltes Wasser bitte.", sagte Alex.
"Zu essen?", wollte die Kellnerin wissen.
"Nichts, danke.", sagte Nancy.
Zwei Gläser Wasser und nichts zu essen. Nelly ging misslaunig hinter die Theke. Sie hatte ohnehin seit Tagen keine gute Laune mehr, seit sie diesen dummen Reizhusten bekommen hatte. Das Geschäft ging immer schlechter. Sie konnte kaum noch mit den billigen Preisen der großen Fastfoodketten mithalten. Wenn sie nicht mit Fieber arbeiten gehen würde, konnte sie die Bude gleich verkaufen. Kaum freute man sich, dass ein Gast die Tür öffnete, wäre man schon wieder froh, wenn diese nichts-konsumierenden Kreaturen wieder verschwinden würden. Zwei Gläser kaltes Wasser und sonst nichts. Was für ein bescheuerter Tag.

Genau wie vor einigen Tagen, als dieser verdammte Penner ihr Café betrat. Bleich im Gesicht, wie diese Dame und einen leeren Blick. Hustete das gesamte Lokal voll und stammelte: "Ein Glas kaltes Wasser." Kaum kam sie von der Theke hervor, brach er vor ihr zusammen. Sie wusste noch von ihrem Erste-Hilfe-Kurs, was zu tun war. Herzmassage, Mund zu Mund Beatmung. Nichts half. Was für ein blöder Penner. Kommt in ihr Café und stirbt einfach. Zumindest gab es einmal Abwechslung und vielleicht würden die Rettungsmänner und die Polizei ja einmal wieder vorbeikommen, wenn sie etwas im Dorf zu tun hatten.

"Hier, zwei Gläser kaltes Wasser.", sagte Nelly.
Sie stellte diese auf den Tisch und verschwand hinter der Theke, um die Nachrichten auf ihrem Handy zum fünften Mal zu lesen.
"Ich heiße Nancy.", sagte die angefahrene Frau und trank das Glas Wasser halb leer.
"Hi. Mein Name ist Alex."
Er versuchte ein kleines Lächeln zu erzwingen. Nancys Gesicht nahm plötzlich eine ernste Miene an und ihre Augen zeigten einen Blick aus Panik.
"Entschuldige mich einen Moment.", sagte sie schnell.
Plötzlich fühlte sie ein drückendes Gefühl in ihrem Magen. Ein Gefühl, welches sie gerne loswerden wollte. Sie stand auf und versuchte schleunigst den Weg zur Toilette zu nehmen. Ihre Kotzgeräusche waren nicht an Nelly vorbeigegangen. Sie murmelte: Was ist in diesem verdammten Dorf eigentlich los? War diese Dame die nächste, welche in ihrem Café kollabieren würde? Dann würde zumindest Polizei und Rettung kommen und sie konnte zwei zusätzliche Getränke verkaufen. Nelly verdrehte die Augen. Als die Toilettentür aufging, sah sie prüfend Richtung ihres Gastes. Nancy kam zurück, sie hatte nun etwas mehr Farbe im Gesicht und setzte sich zu Alex. Nelly dachte, zumindest ist diese Göre noch am Leben.
Nancy sagte zu Alex: "Tut mir leid. Das war etwas viel für mich, aber ich fühle mich etwas besser. Ehrlich gesagt könnte ich sogar etwas zu essen vertragen."
Nellys Ohren wurden spitz. Konnte sie endlich die Burger verkaufen? Klar waren sie schon etwas alt, aber zumindest verkaufte sie nicht täglich kaputte Ware, so wie die Fastfoodketten, die ihre Gewinne maximierten, indem sie ständig die schimmligen Brötchen verkauften. Wie sollte sie denn überleben, wenn sie nicht die günstigen Maxipackungen kaufte, die dann lang über ihr Ablaufdatum gebraucht wurden. Zumindest spuckte sie den Kunden nicht in den Burger wie die jungen Studenten, welche zu einem Hungerlohn bei den großen Burgerbuden schuften mussten. Sollte das ihre Zukunft sein? Nein. Da arbeitete sie lieber Tag und Nacht in ihrem kleinen Café, bevor sie die Gesellschaft mit fetten, verschimmelten Burgern vergiftete, damit sich die großen Konzernbosse ihren Hintern mit Geld abwischen konnten, Champagner schlurften und Kaviar hinunterschlangen. Bei Nellys Café gab es zumindest meist frische Ware. Sie musste kein schlechtes Gewissen haben.
Nelly trat hervor und fragte: "Darf es noch etwas sein? Heute hätten wir unseren Tagesburger im Angebot."
Natürlich war er im Angebot, so wie immer. Leute liebten es einfach, wenn etwas im Angebot war. Angebot war das Zauberwort. Die Kunden sahen Dollarzeichen in ihren Augen, weil sie günstig eingekauft hatten und der Verkäufer sah die Dollarzeichen in seinen Augen, weil der Kunde zu dem ohnehin normalen Preis gekauft hat. Beide Seiten kannten dieses Spiel, trotzdem funktionierte es noch immer. Nelly setzte wieder ihr Berufslächeln auf, während sie auf die essenswünsche wartete.
Alex sagte: "Ja, warum nicht? Ich könnte etwas Essen vertragen."
Nancy fragte:" Hätten Sie etwas Gemüse? Ich bin Veganerin."
Nelly antwortete: "Ja, ich kann Ihnen etwas Gemüse anbraten. Außerdem kann ich Ihnen Salat anbieten."

Besser ein Burger als kein Burger, dachte Nelly. Salat und frisches Gemüse hatte sie ohnehin immer - aber als Hauptspeise? Reis wäre auch noch da gewesen, aber den müsste sie extra zubereiten und wozu? Sie hatte ohnehin schon zu gebratenem Gemüse ja gesagt. Zumindest wird das Bleichgesicht dem Gesundheitssystem nicht so viel zur Last fallen, so wie der restliche Teil der Bevölkerung - mit zu hohen Blutzuckerwerten und Fettablagerungen in den Blutgefäßen, bis sie barsten oder ein Blutgerinnsel verursachten. Das Gesundheitssystem war ohnehin schon überlastet und wenn sie einmal etwas von einem Arzt benötigte, musste sie den Laden für einen ganzen Tag zusperren, weil sie stundenlang in irgendeinem überfüllten Wartesaal sitzen musste. Zumindest hatte sie eine Krankenversicherung. Dies war nicht so selbstverständlich in den USA.

Sie bestellten das Essen und Alex musste wieder der Zeichnung des Blutstropfens folgen. Dem Hals entlang bis zu ihrem Busen. Sie war hübsch, sehr hübsch sogar. Sein Blick wanderte wieder zu ihren grün schimmernden Augen, die ihn geradewegs ansahen. Er fühlte sich ertappt, dass er auf ihren Busen gestarrt hatte. Sie lächelte.
"Ähm, du hast einen kleinen Blutfleck auf deinem Kleid.", sagte er etwas verlegen.
Was dieses Lächeln wohl zu bedeuten hatte? Es war keine Sünde einer Dame auf ihr Dekolleté zu sehen, vor allem nicht, wenn sich dort ein Fleck befand. Frauen möchten ja bewundert werden. Wozu haben sie Ausschnitte, die einen so tiefe Einblicke gewährten? Wozu all die Schminke? Klar möchten sie bewundert werden und ihr Lächeln heißt wahrscheinlich, dass auch er ihr sympathisch sein könnte. Vielleicht hatte er endlich jemanden gefunden, der ihn so akzeptieren konnte, wie er war.

Nancy musste lächeln. Sie versuchte sich stets auf die Basics zu konzentrieren - Atmen und Essen. Dies zog sich wie ein Mantra durch ihr Leben. Wo sollte sie das nächste Mahl herbekommen, nachdem sie ihre Miete bezahlt hatte? Sie musste jeden Cent genau kalkulieren. Warum sollte sie sich nicht einladen lassen von dem Mann, der ihr fast den Atem genommen hätte? Natürlich konnte sie sich einladen lassen. Veganes Essen ist zumindest auch nicht teuer. Sie hatte sich immer gewundert, wie Restaurants so günstig Fleisch anbieten konnten. Wahrscheinlich mussten diese armen Viecher leiden, wie sie. Und wenn schon. Wenn sich jemand ein dämliches Auto leisten konnte, konnte er auch für ihr Essen bezahlen. Sie sollte Schmerzen vortäuschen und ihn verklagen. Das Leben schuldete ihr einen Scheck. Sie musste sich immer durch das Leben stehlen. Wie hätte sie es denn sonst anstellen sollen, nachdem sie mit achtzehn von zu Hause weggelaufen war. Sie hatte sich nie von Männern einladen lassen und hatte nur ein Laster: die Lotterie. Jeden Sonntag füllte sie ein Los aus, in der Hoffnung, den großen Gewinn zu machen. Sie setzte dies fort, was ihr Vater ihr gezeigt hatte. Schließlich war es reine Statistik, dass man in der Lotterie gewinnt. Ihr Vater hatte seinen halben Lohn in Glücksspiele investiert und hätte wahrscheinlich in der Lotterie gewonnen, wenn er nicht die andere Hälfte in Alkohol und Zigaretten investiert und ihn der Krebs nicht vorher aufgefressen hätte. Jetzt war es an ihr in der Lotterie zu gewinnen.

Ihr Vater starb zu ihrem siebzehnten Geburtstag und ihre Mutter hatte dort fortgesetzt, wo ihr Mann aufgehört hatte - mit dem Trinken und Rauchen. Nancy brach die Schule ab, verdiente sich mit Babysitten ihr Geld fürs Essen und wenn es nicht ausreichte, mussten kleine Diebstähle das Minus füllen. Sie wohnte einige Jahre bei einer Freundin, bis sie beschloss, ein paar Korrekturen in ihrem Lebenslauf vorzunehmen, um sich eine kleine Mietwohnung zu leisten. Sie war jetzt fünfundzwanzig Jahre. Da ist ein Abschluss als Bachelor nicht übertrieben. Sie studierte einige Chemiebücher, um sich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten. Es funktionierte. Als Chemikerin bekam sie eine Stelle in der Fabrik des verrückten Milliardärs. Jetzt war sie am Zug. Das Leben sollte ihr endlich geben, was ihr bis jetzt verwehrt war.

Nelly kam aus der Küche, hustete zwei Mal und servierte das Essen.
"Ich hoffe, es schmeckt unserem netten Pärchen.", sagte sie und ging wieder nach hinten.
"Danke!", sagten beide und mussten schmunzeln.
"Du siehst besser aus, Nancy.", sagte Alex charmant.
"Der Schock scheint zu weichen, allerdings kommen jetzt die Schmerzen. Ich fühle meine Lippe, meine Beine. Ich denke, ich habe doch einige blaue Flecken abbekommen.", sagte Nancy mit seufzender Stimme.
"Ich kann dich nach dem Essen nach Hause bringen. Wohnst du hier im Dorf?", fragte Alex.

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