Thema
- Kinder
An seinem 50. Geburtstag sagte mein Vater, er wünsche sich ein Enkelkind. In diesem Wunsch steckte mehr als nur die Vorfreude auf kleine Hände, fröhliches Kinderlachen und erste Schritte.
Es schwang auch die Sehnsucht mit, eine neue Generation mit jener Geduld, Wärme und Lebenserfahrung zu begleiten, die man als Elternteil oft erst mit der Zeit gewinnt.
Meine eigenen Großeltern waren in meiner Kindheit immer für mich da. Das bedeutete in den 1990er- und frühen 2000er Jahren viele Abenteuer. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Badewanne im Garten, in der die selbst gefangenen Fische schwammen. Das Angeln mit meinem Opa war ein tolles Erlebnis. Er erklärte mir die Welt und ließ mich auf seiner Arbeit neugierig hinter die Kulissen schauen. Jeden Morgen bekomme ich eine liebevolle Nachricht von ihm. Ein kleiner Gruß, der mir den Tag erhellt und mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Meine Oma hatte stets ein offenes Ohr. Sie versorgte Schrammen, hörte sich jedes Wehwehchen an und wusste, wie Sorgen schnell kleiner wurden. Am Nachmittag gab es Kuchen und Geschichten, die nie langweilig wurden, selbst wenn sie sich wiederholten.
Bei meinen Großeltern musste ich nichts leisten. Ich durfte einfach ich sein. Sie lehrten mich Dinge, die in keinem Schulbuch stehen: dass man nicht alles sofort haben muss. Dass ein Versprechen zählt. Dass ein Mensch Zeit braucht, um zu wachsen und dass Zuhören manchmal die klügste Antwort ist. Auch heute noch sind meine Großeltern für mich da. Ein Leben ohne sie ist für mich undenkbar.
Heute ist die Beziehung zwischen Großeltern, Eltern und Kindern oft komplizierter. Familien leben weiter auseinander. Großeltern arbeiten länger und der Alltag ist enger getaktet. Dafür ermöglichen Videotelefonate den Austausch zwischen den Generationen, selbst wenn sie Hunderte Kilometer voneinander entfernt sind. Enkel zeigen ihren Großeltern, wie man Nachrichten verschickt oder Fotos teilt. Großeltern erzählen von einer Welt, in der man noch auf Briefe wartete oder ein Telefon mit Wählscheibe bediente. Sie schwärmen von Erinnerungen, die auf VHS-Kassetten oder analogen Fotografien festgehalten sind. Beides hat seinen Wert.
Haben Kinder heute überhaupt noch genügend unverplante Zeit mit älteren Menschen, ohne Zeitdruck oder Smartphonekamera? Zeit, in der kein Lernziel erfüllt und kein Foto gepostet werden muss? Großeltern können sichere Häfen sein, aber nur, wenn wir ihnen Raum geben und ihre Rolle nicht auf Babysitting reduzieren.
Was verlieren Kinder, wenn die Geschichten der älteren Generation verstummen? Und was gewinnen sie, wenn sie erleben, dass Fürsorge nicht von Leistung, Tempo oder Perfektion abhängig ist? Für ihre Zukunft brauchen Kinder nicht nur gute Schulen und zukunftsorientierte Fähigkeiten, sondern vor allem ein unterstützendes Umfeld. Menschen, die ihnen Wurzeln geben.
Großeltern sind eine wichtige Brücke zwischen gestern und morgen. Sie zeigen uns, woher wir kommen. Ihre Erfahrungen geben uns Halt und ihre Geschichten Orientierung, während wir unseren eigenen Weg suchen. Damit diese Werte nicht verloren gehen, brauchen sie unsere Zeit, Anerkennung und Unterstützung. Denn wer die Vergangenheit beachtet, stärkt die Zukunft unserer Kinder.
Kolumnist*in
Eureka Palmer ist im Gesundheitswesen tätig und entdeckte früh ihre Liebe zur Literatur. Sie schreibt in unterschiedlichen Genres und richtet dabei den Fokus auf lebendige Beschreibungen und authentische Figuren. In den Ferien zieht es die Autorin mit ihrer Familie ans Meer, wo die frechen Ostsee-Möwen Zuhause sind und das Wellenrauschen ihre Inspiration anregt.
Kommentare
Bei den Großeltern ist der sicherste und gemütlichste Platz neben dem Elternhaus, wo sich Kinder wohl fühlen und meist alles dürfen, was Mama und Papa verbieten. Aber ja, leider wohnen die Generationen oft weit entfernt oder gehen selbst noch arbeiten und die Zeit für Enkel fehlt. Großeltern geben einem Kind etwas mit auf den weg, woran es sich noch viele Jahrzehnte später erinnert.
etwas Glück muss man haben! Nicht jeder hat solche Großeltern. Das wäre natürlich toll wenn alle Eltern zu solchen Großeltern werden würden. Schauen wir uns mal Eltern an, das ist doch nicht schön wie viele mit ihren Kindern umgehen. Für Kinder muss man sich Zeit nehmen, oder keine bekommen!
Schöne Kolumne!
meine Großeltern sind zwar sehr zeitig gestorben, aber ich hatte Großtante und Großonkel. Dort habe ich die meiste Zeit verbracht, ich erinnere mich so gern daran. Dieser Teil meiner Kindheit war großartig und besonders.
Großeltern sind toll
connym So., 18.10.2026 - 10:27