Reiseland
Meine Reise von Deutschland nach Taiwan
Tainan: Meine Anreise und erste Eindrücke
Vorab ein paar Eckdaten zum wunderschönen Taiwan:
- Taiwan ist ein Inselstaat mit der Hauptstadt Taipeh und liegt im Westpazifik direkt vor China
- Taiwan wird von China beansprucht, doch die Politik lasse ich hier außen vor.
- Größe: 35.801 km², 394 km lang, 144 km breit
- Klima: im Norden subtropisch, zum Süden hin tropisch
- Zeitverschiebung zu Deutschland: in Taiwan ist es 7 h später
- Landeswährung: Taiwan Dollar (TWD)
- Amtssprache: chinesisch, Jüngere sprechen zudem oft englisch; aufgrund der jahrelangen Besatzung durch Japan sprechen auch viele ältere Menschen japanisch.
- Als deutscher Staatsbürger kannst du mit deinem Reisepass reisen. Erst bei einem Aufenthalt über 90 Tage benötigst du ein Visum.
Nach einer mehrstündigen Zugfahrt zum Flughafen Frankfurt und einer Flugdauer von etwa 12 h (das kann natürlich je nach Zwischenstopp variieren), bin ich endlich in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh mit dem Flugzeug gelandet. Doch mein Ziel ist Tainan (ehemalige Hauptstadt). Taipeh liegt ziemlich nördlich, Tainan dagegen südwestlich. Also geht meine Reise weiter, und zwar mit der U-Bahn MRT und dem Schnellzug THSR (auch HSR) – Taiwan High Speed Rail. (Näheres dazu siehe Infos)
Bevor es jedoch losgeht, hole ich mir auf dem Flughafengelände an einem Automaten eine EasyCard (Näheres dazu siehe Infos). Über diese Karte habe ich mich im Vorfeld erkundigt und finde sie unverzichtbar. Ebenso besorge ich mir am Fahrkartenschalter des Bahnhofbereiches Informationen zu meiner Weiterfahrt und kaufe auch gleich das Ticket für den HSR, das mich etwa 35 Euro kostet. (je schneller der Zug, umso teurer, je langsamer, umso preiswerter).
Die Metro MRT kommt pünktlich auf die Sekunde. Hierfür kann ich meine EasyCard nutzen, die ich vor jedem Betreten und Verlassen des Bahnsteiges lediglich an einem Fahrkarten-Lesegerät scannen muss. So muss ich mir keinen Extra-Fahrschein kaufen.
Anschließend durchquere ich mit dem MRT die Stadt bis zur Station, an der der HSR abfährt.
Nach einer reichlichen Stunde mit dem schnellsten Zug, mit dem ich je gefahren bin, lande ich in Tainan an der Tainan Station. Von hier aus könnte ich mit dem normalen Zug (TRA) weiterfahren, doch ich bin völlig breit und es ist mitten in der Nacht, sodass ich mir bis zum Hotel ein Taxi nehme.
Endlich und total erschöpft betrete ich mein Hotel, das Shangri-La. Hier werde ich extrem zuvorkommend in Empfang genommen. (Ich weiß, dass man sich in asiatischen Ländern verneigt, dennoch ist es ein seltsames Gefühl, dass sich jemand vor mir bis fast zum Boden verbeugt.) Diesen wunderbar höflichen und herzlichen Empfang finde ich unglaublich und bekomme ein kleines Hochgefühl, obwohl ich erschöpft bin.
Von einer Angestellten werde ich bis in die 25. Etage zu meinem Zimmer begleitet und bin einmal mehr überwältigt. Das Bett ist satte 2,40 m breit. Direkt gegenüber eine Fensterfront mit einem gigantischen Ausblick auf die Stadt. Davor steht ein großer Schreibtisch mit unterschiedlichen Büroutensilien. Bei Bedarf kann ich hier entspannt an meinen Büchern schreiben oder einfach nur hinter meinem Laptop sitzen und die Aussicht genießen. Frisches Obst steht auf einem kleinen Tisch und es gibt Kaffee und Tee. Das Badezimmer ist sehr geräumig mit einer sehr großen Badewanne, einer großen Dusche, zwei Waschbecken und einem Douche-WC.
Ich habe dringend Schlaf nötig, spüre aber, dass ich Hunger habe, also rufe ich in der Rezeption an. Selbst um diese Zeit kann ich mir noch etwas zu essen bestellen, was mir auf mein Zimmer gebracht wird – ich bin begeistert. Denn das nächtliche ›kleine Mahl‹ besteht aus Suppe, Fleisch, Brot, Nudeln, Dips und Obst.
Am nächsten Morgen bin ich ein weiteres Mal sprachlos, als ich mich gegen 08:30 Uhr in die Frühstücksetage begebe. Sprachlos, weil ich zum einen persönlich begrüßt werde, zum anderen, weil das nicht nur Frühstück ist, wie ich es von anderen Hotels kenne, sondern hier sind ringsum und auch in der Mitte Büffets aufgebaut.
An meinem Frühstückstisch, an dem ich mich so richtig breitmachen kann, liegt ein Kärtchen in der Größe einer Visitenkarte. Eine Seite ist grün, darauf lese ich ›I AM FULL‹, die andere Seite ist rot und ich lese ›I Am STILL HUNGRY‹. Eine tolle Idee. Verlasse ich den Tisch, um noch eine Runde am Büffet zu drehen, muss ich nur darauf achten, dass die rote Seite zu sehen ist. Das ist der Hinweis für das Personal, dass ich mit meinem Frühstück noch nicht fertig bin. Bin ich satt, drehe ich die grüne Seite der Karte nach oben – Und das kann bei dieser Auswahl sehr lange dauern! Und ich entdecke ein weiteres pfiffiges Detail auf meinem Frühstückstisch. Und zwar liegt vor mir ein Platzdeckchen aus Papier mit einer Orientierungskarte für den Frühstücksraum.
Der gesamte Frühstücksbereich ist mehrere hundert Quadratmeter groß und ebenso viele Personen scheinen dort Platz zu finden, dabei ist er nie überfüllt. Was ich entdecke, sind Taiwanesische, chinesische, japanische und europäische Speisen. Nudelgerichte, Reisgerichte, Dumplings, Kartoffeln, Fischgerichte, Salate, etliche Süßspeisen und Backwaren, Obst, Obstsäfte, Wurst, Käse. In der Mitte, des rechten Bereichs, den ich für meinen Schmaus auserwählt habe, finde ich eine Station, in der verschiedene Eierspeisen von einem gut ausgebildeten Mitarbeiter frisch und direkt vor meinen Augen zubereitet werden. Ich wähle Omelett mit Käse gefüllt. Nebenher hole ich mir eine köstliche Rinderbrühe, die ich mir selbst mit hauchdünnen Fleisch- und Ingwerstreifen auffülle.
Im Halbkreis angeordnet geht es weiter mit warmen Speisen. Darunter sind Gerichte mit Tofu, Fleisch, Reis, Gemüse und Süßem. Nachdem ich meinen Teller mit dem Omelett und die leckere Rinderbrühe auf meinem Tisch abgestellt habe, hole ich mir einen weiteren Teller, um meinen Kampf gegen den Heißhunger und meine übergroßen Augen zu stillen.
Pflaumennudeln mit getrockneten Thunfischflocken, geräucherter Fisch, Frühlingsrollen, Pudding …
Während ich am Tisch sitze, kommt eine freundliche und zurückhaltende Dame und fragt mich, ob ich eine Tasse warmen Mandeltee möchte – Das Wörtchen ›Nein‹ kenne ich an diesem Tag nicht und so nicke ich zustimmend. Sie zieht weiter, nachdem sie mir eine randvolle Tasse an meinen Platz gestellt hat. Während ich genussvoll schlemme, steigt mir der Duft des heißen Mandeltees in die Nase. Mich beschleicht der Gedanke, dass ich hier noch viel Zeit verbringen werde. Kaffee und weitere Getränke bekomme ich ebenfalls am Tisch serviert.
Ich beende mein Frühstück gegen 10:30 Uhr.
Durch die Option ›Horizon Club‹ habe ich nicht nur Zugang zur Frühstücksetage, sondern auch zur ›Happy Hour Lounge‹, die genau ein Stockwerk unter meinem Zimmer in der Mitte des Hotels aufgebaut ist. Ich verlasse mein Zimmer und schaue von oben in die Lounge, um mir einen Überblick zu verschaffen, wo ich einen freien Bereich finde. Ich begebe mich eine Etage tiefer und besetze den Platz in einer gemütlichen Ecke. Von hier aus habe ich den perfekten Blick auf das Happy Hour Büffet. Die Auswahl der Speisen ist nicht ganz so üppig wie am Frühstücksbuffet, dafür einen Hauch exklusiver. Darunter Shrimps, kleine Küchlein (sehr ausgefallen) und aufwendig dekorierte Speisen, Snacks und Obst. Auf der linken Seite erregt ein etwa 2 Meter hoher Schrank meine Neugier. Bei genauerem Hinsehen entdecke ich Weinbrände, Cognac und jede Menge weitere alkoholische Getränke. Horizon Club hat sich definitiv gelohnt, obwohl ich kaum Alkohol trinke. Die hoteleigenen Restaurants besuche ich nicht, weil ich durch Frühstück und den Besuch am späten Nachmittag in der Lounge noch immer satt bin.
Mein Fazit: Das Hotel ist grandios und meine Wahl richtig!
Jetzt bin ich rundum zufrieden und kann an meinem ersten Tag Tainan mit einem Ausflug erkunden.
Wenn dich das interessiert, dann lies weiter: Reisebericht – Taiwan Teil 2
Zum Schluss von Teil 1 noch ein paar Hinweise und Informationen:
- Tipp EasyCard:
Die EasyCard ist ähnlich einer Prepaidcard. Du kannst sie auf dem Flughafengelände über einen Automaten kaufen oder an speziellen Schaltern, aber auch in fast jedem 7Eleven-Shop, FamilyMart oder jeder U-Bahnstation.
Sie kostet einmalig und ohne Guthaben 100 Taiwan Dollar (knapp 3 Euro). Du kannst sie aber auch gleich mit einem Guthaben kaufen, was sinnvoll ist.
Ich finde diese Karte total wichtig, denn damit kannst du die meisten öffentlichen Verkehrsmittel in Taiwan nutzen und auch in vielen Geschäften und Taxis bezahlen.
Zudem musst du nicht so viel Bargeld mit dir führen.
Für den Einsatz in öffentlichen Verkehrsmitteln musst du sie z. B. beim Betreten und Verlassen eines Bahnhofes an das entsprechende Lesegrät halten.
Aufladen kannst du sie fast in jedem 7Eleven-Shop, FamilyMart oder an jeder U-Bahnstation.
- Metro MRT:
MRT ist ein ausgeklügeltes, absolut übersichtliches System und erklärt sich von selbst. Es gibt Streckenlinien, die alle in unterschiedliche Farben gegliedert sind. Man achte nur auf die richtige Farbe und ist immer in der richtigen Spur. In Taiwan sind Züge nicht nur pünktlich, sondern treffen auf die Sekunde genau ein. Zudem sind sie blitzblank sauber.
- HSR/THSR:
HSR bzw. THSR ist ein Schnellzug, mit dem du das ganze Land, von Norden nach Süden, innerhalb von 90 min durchqueren kannst, denn dieser Zug erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Die Fahrkarte für den HSR bekommt ihr an jedem Schalter eines Bahnhofs.
- Kinder:
Kinder von 0–5 Jahren und einer Größe von maximal 1,15 Metern dürfen die Metro MRT oder den Bus kostenlos nutzen.
- Bus:
Willst du in Taiwan mit dem Bus fahren, bringt es nichts, nur an der Haltestelle zu warten, du musst ihn heranwinken, sonst hält er nicht. Ebenso solltest du, falls du keine EasyCard nutzt, immer das passende Kleingeld parat haben. Busfahrer wechseln kein Geld.
- Taxi:
Willst du in Taiwan mit dem Taxi fahren, verhält es sich ähnlich wie mit dem Bus. Entweder gehst du zu festen Taxiständen oder du musst das Taxi heranwinken. In manchen Taxis kannst du mit der oben genannten EasyCard bezahlen.
Taxis in Taiwan sind sehr günstig (außer an bestimmten Festtagen). Im Gegensatz zu Japan kannst du dem Taxifahrer in Taiwan gern Trinkgeld geben. Du bist auch gut beraten, wenn du dem Fahrer dein Ziel auf einer Karte zeigst, denn nur wenige Taxifahrer verstehen englisch.
- Essen in Taiwan
Möchtest du in Taiwan gern außerhalb deines Hotels einmal essen gehen, dann musst du wissen, in den meisten Restaurants bekommst du eine Karte, in der du ankreuzen musst, was du gern essen möchtest. Das Schwierige daran, wenn die du Schriftzeichen nicht beherrscht. Du kannst die Bedienung fragen, doch verstehen viele kein englisch (in der Haupttadt Taipeh schon eher). Dennoch geben sich Taiwanesen sehr viel Mühe dir zu helfen und sind unglaublich freundlich. Du kannst aber auch einfach anhand der Bilder bestellen. Den Versuch habe ich gemacht und bin nicht enttäuscht worden. Seither liebe ich taiwanesische Beef Noodle Soup, die ich dir unbedingt empfehlen kann.
Auch solltest du beherrschen, mit Essstäbchen zu essen, denn oft stehen in einfachen Restaurants weder Gabel noch Messer zur Verfügung.
- Nachtmärkte
Ein besonderes Highlight, das ich dir bei einem Besuch in Taiwan unbedingt empfehlen möchte, ist der Besuch eines Nachtmarktes. Diese gibt es überall im Land und öffnen ab Nachmittag, je nach Markt zwischen 15 - 17.00 Uhr, und schließen um Mitternacht.
Wenn in Taiwan die Nachtmärkte öffnen, beginnt das Leben. Hier bekommst du leckeres taiwanesisches Straßenessen. (Manches sieht dabei auch recht gewöhnungsbedürftig und nicht identifizierbar aus, und manches schmeckt auch so.)
Darunter gibt es aber auch jede Menge Köstlichkeiten, wie gegrillte, gebackene oder in Teig umhöllte Meeresfrüchte, Hühnerschnitzel, aber auch Hühnerfüße! Oder ›Stinky Tofu‹, stinkender Tofu, er ist fermentiert und frittiert. Die einen mögen ihn, die anderen (ich) nicht.
Hier kannst du auch etliche verschiedene Arten Bubble-Tea kaufen oder Dumplings essen, gefüllte Fladen und unglaublich vieles mehr.
Bist du auf der Suche nach Souveniers, dann wirst du auf einem Nachtmarkt garantiert fündig. Du kannst aber auch Kleidung oder Früchte kaufen. Für jeden ist hier etwas dabei.
So ein Nachtmarkt ist ein echtes Erlebnis und solltest du auf keinen Fall verpassen.
- Sicherheit:
Taiwan gilt als sehr sicheres Reiseland. Meiner Erfahrung nach kann ich genau das bestätigen. Ich habe mich in diesem Land sehr wohl gefühlt und wurde auch im größten Gedränge nicht bestohlen. Sollte sich jemand einen Überfall wagen, würde er von Seiten des Staates sehr hart bestraft werden, zumal jemand auf einer Insel nicht sehr weit kommen würde. Freundlichkeit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft wie in diesem Land habe ich selten woanders erfahren.
Aber Sicherheit bedeutet nicht nur die Verbrechenslage. Hin und wieder wird Taiwan von Erdbeben heimgesucht oder teils Tsunamis.
- Information Technik:
Vieles aus dem Bereich Computertechnik und Hardware kommt aus Taiwan. Fündig werdet ihr dazu in der Stadt Kaohsiung. Dort gibt es neben riesigen Geschäften auch ganzen Straßen mit Shops, die Computer, Hardware und vieles weitere an Technik anbieten.
- No-Gos:
In der Öffentlichkeit wütend werden
Dies würde einen sogenannten ›Gesichtsverlust‹ bedeuten. Taiwanesen sind sehr um Harmonie bemüht.
Pfeifen
Viele Taiwanesen sind abergläubisch und glauben, pfeifen würde Geister anlocken
Opfergabenbehälter als Mülleimer missbrauchen
Diese Behälter sehen tatsächlich aus wie Mülleimer, also bitte aufpassen. So etwas könnte als Gotteslästerung gelten. Besser zweimal hinschauen!
Vordrängeln
Diese Eigenheit zu unterlassen, sollte selbstverständlich sein.
Stäbchen in den Reis stecken
Das ist ein absoluter Fauxpas und wird nur als Ritual für Verstorbene zelebriert. Dabei wird eine Schale Reis mit senkrecht eingesteckten Stäbchen auf einer Totentafel plaziert. Diese Geste verbinden Asiaten demnach mit dem Tod und hat beim Essen nichts zu suchen. Ebenfalls solltest du darauf verzichten, die Stäbchen über der Schüssel gekreuzt abzulegen. Dies symbolisiert den Tod und ist ein schlechtes Omen.
Spitze der Stäbchen bitte nicht ablecken.
Mit den Stäbchen kein Essen weitergeben.
Nicht mit den Stäbchen auf jemanden zeigen.