Reiseland
Meine Reise von Deutschland nach Taiwan
Tainan: Meine Unternehmungen – Sehenswürdigkeiten 2/2
Zhong Shan Park
Fort Provintia
Chimei Museum
Weiter geht’s mit meinen Eindrücken in Tainan, einer Stadt auf Taiwan. Ganz besonders möchte ich in diesem Teil auf das Chimei Museum hinweisen. Lest selbst.
Zhong Shan Park
Heute will ich die nähere Umgebung meines Hotels erkunden. Meinen Stadtplan habe ich bei mir, und der sagt mir, ganz in der Nähe muss ein etwas größerer Park sein. Also mache ich mich auf den Weg in diese Richtung. Nach höchstens 10–15 Minuten bin ich angekommen. Und wieder erwartet mich absolute Entspannung.
Laut meiner Karte bin ich im Zhong Shan Park, einem der ältesten Parks in Tainan und ein Überbleibsel der Qing-Dynastie des 17. Jahrhunderts. Wie es heißt, war dieser Park unter der japanischen Besetzung ein ›tropischer Versuchswald‹. Es gibt hier wunderschöne Bäume und ich fühle mich fernab jeglicher Hektik einer Großstadt. Hier ist es ruhig. Der Park ist herrlich, um die Seele baumeln zu lassen.
Ich bummle an einem Spielplatz vorbei, durchquere Steinpforten wie den Pan Gao Steintorbogen und den Xiao Keuschheitsbogen und entdecke sogar eine Art Amphitheater.
Das Zentrum des Parks bildet ein großer Teich bzw. See mit Pavillons und steinernen Brücken. Von hier aus entdecke ich den oberen Teil meines Hotels, dem Shangri-La.
Ich habe noch reichlich Zeit bis zur Happy Hour und so beschließe ich, das Fort Provintia aufzusuchen.
Fort Provintia
Fort Provintia ist auch bekannt als Chihkan Tower.
Die Eintrittsgebühr beträgt gerade einmal 50 TWD (ca. 1,25 €).
Was habe ich über das Fort erfahren: Es steht im heutigen West Central Distrikt von Tainan und wurde einst von den Holländern erbaut. Satte 29 Jahre hat der Bau gedauert, etwa von 1624–1653. Das Fort Provintia liegt circa 2 Kilometer entfernt vom Fort Zeelandia, das in Anping seinen Sitz hat. Beide wurden durch eine Straße miteinander verbunden.
Fort Provintia wurde als zusätzlicher Außenposten von den Holländern erbaut, auf Formosa, wie Taiwan damals genannt wurde. Damit wollten sie ihren Sitz festigen und sich gegen feindliche Bedrohungen schützen.
Zheng Cheng Gong, Patriot und Held, eroberte das Fort von den Holländern um 1661–62. Er ist besser bekannt unter seinem Ehrennamen ›Koxinga‹. Koxinga starb nur sechs Monate später und sein Sohn trat an seine Stelle. Dieser funktioniere das Fort zu einem Munitionsdepot um. Durch Bürgerkriege und Naturkatastrophen wurde die Anlage zerstört. Das, was heute sichtbar ist, ist leider nicht mehr die originale Erscheinung. Erst im letzten Jahrhundert wurde es größtenteils wieder renoviert. Nach seiner Wiedereröffnung bekam es den Namen ›Chihkan Tower‹.
Heute dient das ehemalige Fort Provintia hauptsächlich Studenten als Ort, um für gute Noten zu beten.
Am späten Nachmittag bin ich bei dem Fort angekommen. Es kann also nicht mehr lange dauern, bis die Außenbeleuchtung eingeschaltet wird, was ich auf jeden Fall sehen möchte.
Der Vorgarten ist penibel gepflegt und alle Büsche in hübsche Form gestutzt. Das Hauptgebäude, das teilweise von Wasser umgeben ist, hat Wohnhauscharakter. Auf der Vorderseite und direkt unterhalb am Sockel reihen sich nebeneinander Betonschildkröten, deren Rückenpanzer verlängert in die Höhe ragen.
Mein Imbiss, der aus einer wahnsinnig leckeren Beef-Noodle-Soup bestanden hat, macht sich allmählich bemerkbar und ich suche nach einer Toilette. Gegenüber vom Eingang werde ich sofort fündig, direkt neben dem Verwaltungsgebäude. Obwohl es später Nachmittag ist, sind keine Menschenmassen zu sehen. Alle scheinen sich im Stadtzentrum aufzuhalten, was ich bei meinen Ausflügen und auch bei meinem Gang zur Toilette sehr begrüße.
Jetzt aber rein ins Fort Provintia.
Über die linke Seite führt eine steile Treppe nach oben. Nach dem Aufstieg sehe ich zwei Gebäude. Eines, das schon von der Frontseite aus zu sehen ist, und ein weiteres dahinter. Auch von innen machen die Räumlichkeiten einen wohnlichen Eindruck. Der Boden ist rot gekachelt, die Treppen aus Holz sind sehr schmal und der Aufstieg ebenso steil wie der von der Eingangstreppe, aber kürzer.
Das Flair aus mehreren jahrhundertealtem Design und Stil macht sich eindrucksvoll bemerkbar. Es wirkt alt, aber nicht veraltet. Die erhöhte Lage gibt mir ein Gefühl des Schutzes. Wenn ich nach unten sehe, blicke ich auf hohe Betonmauern, welche die Gebäude umgeben und als Sockel dienen.
Ich lasse mir Zeit und warte auf die Dämmerung. Gehe zwischen den Gebäuden hin und her und nutze jeden Eingang und jede Treppe, um mir von den verschiedenen Seiten jeweils die Aussicht anzusehen.
Jetzt ist es so weit! Die Außenbeleuchtung geht an und das Gebäude bzw. Gelände wird angestrahlt. Ein romantisches Ambiente erfüllt die Umgebung des Fort Provintia. Die Lichter lassen die Schildkrötenpanzer in verschiedenen Farben erleuchten – wunderschön. Ich verweile noch eine Zeit lang, bis ich mich dann auf den Rückweg zum Hotel begebe.
Chimei Museum
Wen-Long Shi ist der Gründer der CHIMEI-Gruppe und hat dieses Museum 1992 erbauen lassen und für jeden zugänglich gemacht. Er wollte damit allen Menschen, egal welcher Herkunft, die westliche Kultur und Kunst näher bringen, ihnen einen Einblick gewähren, ohne dass sie dafür ins Ausland reisen müssen.
Schon vor der Anlage fallen mir Fahrräder (Dreiräder) vollgepackt mit Putzutensilien auf. Die Fahrer, meist mit einem Trichterhut auf dem Kopf und mit viel Gelassenheit bewaffnet, sehe ich jetzt öfters, auch außerhalb der Museumsanlage.
Der Tainan Metropolitan Park, der sich um das Museum erstreckt, ist Taiwans drittgrößter Stadtpark und der einzige mit einem Museum. Egal, aus welchem Blickwinkel ich den Park betrachte, das wunderschöne weiße Gebäude im europäischen Stil, in dem sich das Chimei Museum befindet, vermittelt das Gefühl, tatsächlich in einem Park in Europa zu sein.
Ich schaue aus der Ferne auf das Museum, denn der Park ist so groß, dass ich noch mehrere Hundert Meter vor mir habe, um das Hauptgebäude zu erreichen.
Mein Weg führt mich zu einem großen, von üppigem Grün umgebenen Teich, in dem Skulpturen europäischen Stils (griechisch-römisch) ihr Unwesen treiben. Aufbäumende Pferde, Figuren mit Blashörnern und lockigem Haar. Wasserapplikationen verschönern zudem das Gesamtbild des Teichs als auch des Parks.
Die Anlage ist die Heimat vieler Vögel und Kleintiere und ich kann Schwärme von Schwänen beim Paddeln beobachten. Reiher fressen am Wasserrand. Ein Gefühl der Entspanntheit breitet sich bei mir aus und ich fühle mich wohl.
Nachdem ich den Teich mit all seinen Eindrücken hinter mir gelassen habe, gehe ich über eine weiße Brücke aus Stein. Sie hat den Anschein von Marmor und verstärkt den zuvor gewonnen Eindruck der Entspannung. Von der Brücke aus blicke ich in einiger Entfernung direkt auf den Haupteingang des Museums, das im römischen Stil in die Höhe ragt.
Das Zusammenspiel von optimaler Temperatur (wir haben Anfang Januar und heute stolze 18 Grad), blauem Himmel und der herrlichen Anlage sind schon eine großartige Erfahrung für sich. Ich möchte das Gefühl weiter ausnutzen und verweile auf der Brücke. Dabei schaue ich von beiden Seiten in das klare Wasser darunter und auch immer wieder in alle Richtungen, um die grandiose Aussicht zu genießen. Um von einer Seite der Brücke zur anderen zu gelangen, muss ich mehr als 20–30 Meter überwinden.
Nachdem ich mehr als 1 Stunde von der Straße vor dem Museum bis zum Haupteingang gebraucht habe, gehe ich hinein.
Drinnen angekommen, stehe ich in einem großen Flur, von dem viele Eingänge zu den verschiedenen Ausstellungen abgehen. Auch hier ist alles in hellem Stein und sehr übersichtlich angeordnet. Ein paar Büsten, Skulpturen und Informationsschilder. Ich entschließe mich durch die erste Tür zu meiner Linken, in die Zeit der Ritter zu gehen.
WOW, denke ich, als ich die erste Ausstellung sehe. Exponate und die Auswahl sind erstklassig. So eine schöne Sammlung habe ich in Deutschland nirgendwo gesehen. Nicht nur europäische, sondern auch Samurai, ihre Waffen und Rüstungen sind aufgestellt. Alles in einem sehr gepflegten und sauberen Zustand. Doch die Exponate sind nicht einfach nur aufgestellt, es werden auch direkt immer wieder kleine Szenen dargestellt.
Ich gehe weiter in die Musikausstellung. Wieder bin ich begeistert. Pianos, Klaviere, Drehleiern und viele weitere Musikinstrumente in einem klasse Zustand sind hier zu bewundern.
Jede Ausstellung, selbst die, die mich sonst nicht so interessieren, schaffen es, dass ich mich lange darin aufhalte, um jedes Teil genau zu bestaunen.
Zu keiner Zeit kommt Hektik oder das Gefühl auf, keine Zeit zu haben. Sogar die 1A Horizon Lounge im Shangri-La habe ich völlig vergessen.
Ebenso hat mich der Ausstellungsbereich zu den verschiedenen Tieren sehr in den Bann genommen. Auch das Flair ist in jedem Bereich den Ausstellungsexponaten angepasst. Hier drin ist es ein wenig abgedunkelt, auch die leisen musikalischen Klänge passen dazu. Es ist beinah, als stünde ich in einem richtigen Zoo, so lebensecht wirken die Tiere.
Zum Glück gibt es in den Korridoren genügend Sitzgelegenheiten, denn in diesem Museum kann man locker einen ganzen Tag zubringen.
Nach mehreren Stunden im Museum wird es langsam Zeit für den Ausgang, denn auch das Personal hat mal Feierabend. Für mich bedeutet das aber keineswegs das Ende des heutigen Tages, denn ich starte das Projekt "Erkundung der Außenanlage Teil 2".
Rechts sehe ich ein großes Gewässer, davor hochwertige Sitzbänke mit Sonnenschirmen in Reih- und Glied. Ich habe die freie Auswahl, denn alle sind unbesetzt und kein Mensch in näherer Umgebung.
Zu keiner Zeit kommt Hektik oder das Gefühl auf, keine Zeit zu haben. Sogar die 1A Horizon Lounge im Shangri-La habe ich heute völlig vergessen.
Als es langsam dunkel wird, beschließe ich, den Tag im Hotel ausklingen zu lassen. Ich gehe zur Hauptstraße, die in Front zur Anlage liegt, und fahre mit einem Taxi von dem Taxistand gegenüber des Museums direkt zu meinem Hotel. Nach etwa 15 Minuten komme ich an. Ich mache mich für das Abendessen bereit und gehe mit Freude und knurrendem Magen zur Happy Hour. Den Tag lasse ich mit viel Genuss hinter mir, aber nicht aus meinem Gedächtnis.
Im nächsten Teil geht es um meine Eindrücke im täglichen Leben in Tainan, ohne Sehenswürdigkeiten. Einkaufen, Kontakt mit Einheimischen, Zugfahrt, ab in die Wildnis. Sei auch du wieder dabei!