Ich bin das Gift in deinem Leben.
Ich bin die Dunkelheit in deiner Seele.
Ich bin die Stille in deinem Kopf.
Ich bin die Leere in deinen Gedanken.
Ich bin das Feuer in jener Nacht.
Ich bin der pure Hass im Kampf gegen dich selbst.
Ich bin der Schmerz den du nicht kontrollieren kannst.
Ich bin das Blut auf deinem Messer.
Ich bin der gefallene Engel im Schatten deiner rebellischen Selbstzerstörung.
Mein Gift wirst du niemals trinken.
Meine Dunkelheit wirst du niemals bemerken.
Meine Stille wird dich niemals aufschreien lassen.
Meine Leere wird dich niemals erreichen.
Mein Feuer wirst du niemals spüren.
Meinen Hass wirst du niemals fühlen.
Meinen Schmerz wirst du niemals zum Ausdruck bringen.
Mein Blut wirst du niemals sehen.
Ich bins, dein unterdrücktes Gewissen, der dunkle Engel im Gefühlschaos deiner verlorenen Seele, der niemals aus deinem Schatten hervortritt.
- Der Traum meines gefallenen Engels
Du nennst mich den gefallenen Engel. Du siehst mich nicht, aber ich bin da. Immer. Ich bin das Gift, das in deinen Adern fließt, wenn du nachts wach liegst und die Decke anstarrst. Ich bin die Dunkelheit, die deine Seele vergiftet, wenn das Lächeln deiner falschen Freunde dich kalt lässt. Ich bin die Stille, die deinen Schrei erstickt, bevor er deine Kehle verlässt. Ich bin der Schatten, der an dir klebt, wenn du aus dem Haus gehst.
Du weißt von mir. Du spürst mich. Aber du wirst mich niemals anerkennen.
Erinnerst du dich an das Feuer? Nicht das, von dem alle sprechen. Das andere. Die lodernde Wutflamme in deiner Brust. Die dich verzehrt, von innen verbrennt, wann immer sie dich mit ihrer Ignoranz strafen. Wenn sie dir Kaugummi in die Haare schmieren und Cola über deinen Kopf kippen. Wenn du mit nassen, verklebten Haaren im Unterricht sitzt. Ich ersticke die Flamme. Ich lasse dich lächeln. Fühlst du es?
Nein. Mein Feuer wirst du niemals spüren.
Erinnerst du dich an das scharfe, kalte Ding in der Schublade? Du wolltest dir eine Stulle schmieren. Ein Frühstück, dass du nicht essen wirst. Dein Blick blieb lange an der Klinge hängen. Du dachtest an Erlösung. Das Gefühl, wenn das warme Blut aus deinem Arm sprudelt.
Mein Blut wirst du niemals sehen. Sie werden das kleine dicke Mädchen wieder zum Opfer machen. Du weißt es. Du weinst. Ich nehme deine Angst. Du hast das Messer sauber gemacht und es weggeräumt. Die Stulle können wir im Zug essen. Wenn wir zurück nach Hause fahren. Nach der Schule. Wenn dich keiner sieht.
Ich bin der Schmerz, den du nicht kontrollieren kannst. Der Druck hinter deinen Augen. Kein körperlicher Schmerz. Du reißt dich zusammen. Ich bin der andere. Der Schmerz, der aus deinen Gedanken kriecht. Ich mache die Stille in deinem Kopf erträglich.
Meinen Schmerz wirst du niemals zum Ausdruck bringen. Du schluckst ihn runter. Er hat keine Form. Keine Grenzen. Du kannst ihn nicht benennen. Du hältst den Mund. Es würde dir niemand glauben.
Sie sagen, du hast dich verändert. Hast du nicht. Sie sagen, du bist komisch. Bist du nicht. Sie sagen, du bist dumm. Bist du nicht.
Sie saugen deine Kraft aus. Ihre Worte tun weh. Du willst sie nicht hören.
Du lächelst nicht mehr. Sprichst leise. Starrst auf deine Füße. Siehst niemanden an. In der Pause stehst du allein. Meldest dich nicht im Unterricht. Gruppenarbeiten lassen dein Herz rasen.
Du bist ein Geist in deinem eigenen Leben. Sie fragen, was mit dir nicht stimmt. Nicht auf nette Art. Es klingt böse und gemein. Hinterhältig. Du traust dich nicht, etwas zu sagen. Die Angst ist zu groß. Du bist müde. Du bist es leid.
Aber ich weiß es besser. Ich bin der Hass im Kampf gegen dich selbst. Der Hass, den du auf dich richtest. Immer, wenn du dich selbst schlecht machst. Du macht dich klein. Unbedeutend. Du hasst es, wenn du weinst. Du willst schreien und kannst nicht. Jemand könnte dich hören. Der Jemand trinkt nicht mein Gift. Es pulsiert in deinen Adern. Der Jemand bemerkt nicht die Dunkelheit in dir drin. Aber ich. Ich helfe dir deinen Hass zu nutzen. Dein Kopf ist voll von dunklen Gedanken. Du willst dich wehren, aber hast Angst davor, was dann passiert. Sie werden dich weiter schikanieren. Mein Hass hilft dir zu überleben.
Ich bin das unterdrückte Gewissen. Die nagende Stimme, die dich fragt: Warum? Warum hast du geschwiegen? Warum lässt du das mit dir machen? Warum tust du, als wäre nichts?
Ich bin der dunkle Engel im Gefühlschaos deiner verlorenen Seele. Ich flüstere dir die Wahrheit zu und du stopfst dir Watte in die Ohren.
Du trägst mich in deinem Schatten. Ich bin der Abdruck, den du auf dem Boden hinterlässt. Ich bin die Kälte, die dich überfällt, wenn du lachst.
Du wirst mich niemals aus deinem Schatten hervortreten lassen. Dafür sorgst du. Mit jeder verdrängten Erinnerung. Mit jedem unterdrückten Gefühl. Mit jedem Mal, wenn du alles erträgst und nichts sagst.
Wenn ich hervortrete, musst du dich deiner Angst stellen. Dir selbst. Und dem, was du vielleicht getan hast. Oder was du nicht getan hast.
Das Feuer in dir drin hat mehr verbrannt als du glaubst. Es hat einen Teil von dir ausgelöscht. Und ich bin das, was in der Asche zurückgeblieben ist. Ich bin der gefallene Engel deiner rebellischen Selbstzerstörung. Niemals wirst du ans Ziel kommen.
Du wirst leben.
Du wirst atmen.
Aber du wirst nie komplett sein.
Ich werde immer bei dir sein.
Im Schatten deinerselbst.
Dein Gift.
Deine Stille.
Deine Leere.
Dein Blut.
Deine Dunkelheit.
Dein Hass.
Für immer.