Direkt zum Inhalt
Die Community für Leser
  • All INCLUSIVE IN DEN TOD • Michael Schild

All Inclusive in den Tod: Ein Hannes König Krimi - Band 3

Kapitel 1: Drei Engel für AIDA (oder eher zwei Bengel und ein Drache)
Der Montagmorgen in Langenberg begann für Hannes König mit einer strategischen Entscheidung, die eines Feldherrn würdig gewesen wäre. Er stand vor dem Spiegel, betrachtete sein knitteriges Gesicht und nickte entschlossen. „Man muss auf alles vorbereitet sein“, murmelte er seinem Spiegelbild zu. „Auch auf Schiffbruch.“
Zehn Minuten später schob er die Glastür von Frau Wiegands Kiosk auf. „Morgen, Charlotte. Heute brauche ich zwei Stangen Zigarillos.“ Frau Wiegand hob eine perfekt gezupfte Augenbraue. „Zwei? Planen Sie einen Weltrekord im Kettenrauchen?“ Hannes lehnte sich verschwörerisch über den Tresen. „Vorsorge, Charlotte. Stellen Sie sich vor, man gerät in Seenot, strandet auf einer einsamen Insel, und dann? Kein Strom, kein Wasser – das geht ja noch. Aber kein Tabak? Das wäre der wahre Untergang.“
Was Hannes zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die Reise würde tatsächlich ein Untergang werden, wenn auch ganz anders als gedacht. Seine Wirtin Elfriede hatte dank eines großzügigen Finderlohns aus einem vorherigen Fall Nägel mit Köpfen gemacht. „Männer“, verkündete sie feierlich im ‚Alt Langenberg‘ und knallte drei bunte Umschläge auf den Tisch. „Packt die Badehosen ein. AIDA Nova. Mittelmeer. All Inclusive. Wir drei.“
Hannes seufzte tief, ein Geräusch wie ein alter Blasebalg kurz vor dem Exitus. Er dachte an seine zwei Stangen Zigarillos. Wenigstens die Versorgungslage war gesichert.

Der Wendepunkt: Schatten über dem Sonnendeck
Die Idylle hielt nicht lange. Während das Schiff Kurs auf die norwegischen Fjorde nahm, verschwanden Passagiere. Erst Walter Rissmann, ein notorischer Schürzenjäger auf Hochzeitsreise. Dann Chantal, eine junge Influencerin. Hannes‘ Polizisteninstinkt war geweckt.
Er suchte die Bordkapelle auf. Pater Hendrik, ein alter Geistlicher kurz vor dem Ruhestand, gab ihm den entscheidenden Hinweis auf einen mysteriösen Gast: „Er betet nicht um Vergebung. Er betet um Kraft. Kraft, das Unkraut zu jäten. Er nennt es ‚Reinigung‘.“
Hannes wusste sofort: Ein religiöser Fanatiker war an Bord, der das Schiff von „Sündern“ befreien wollte. Doch es kam noch schlimmer. Der Täter war kein einfacher Mörder – er war ein Profi.

Das Finale: Bomben, Haarspray und ein fliegender Rentner
Die Lage eskalierte. Das Schiff lag plötzlich tot im Wasser. Eine Bombendrohung ging auf der Brücke ein: Vier Sprengsätze im Rumpf. „Gottes Zorn trifft die Gerechten wie die Ungerechten“, hieß es in der Mail.
Hannes zwängte sich durch das Lüftungsgitter in der Herrentoilette – eine Prozedur, die an eine schwierige Geburt erinnerte. Er erreichte einen Lagerraum im Unterdeck. Dort sah er die Geiseln, gefesselt an ein blaues Industriefass. Daneben saß Maria Gottwald, die Frau des Täters, den Daumen fest auf einem Totmannschalter.
Hannes lag im Schacht direkt über ihr. Er hatte nur einen Versuch. Er hielt eine schwere Magnumflasche Champagner fest umschlossen. „Abflug“, knurrte er. Mit einem urweltlichen Schrei trat Hannes das Gitter durch und stürzte wie ein menschlicher Rammbock drei Meter in die Tiefe, direkt auf die Frau, um den Zünder zu fixieren.
Gleichzeitig in der Bordkapelle: Elfriede stand dem wahnsinnigen Dr. Gottwald gegenüber, der den Untergang live ins Internet streamte. „Man muss sich unter die Schweine mischen, um sie zum Schlachthof zu führen“, höhnte er. Doch Elfriede Schild war keine Frau für Opferrollen. „Wissen Sie, was die Welt sehen soll? Dass man sich mit einer Langenbergerin besser nicht anlegt!“ Mit einer Bewegung, die so schnell war, dass sie später in Zeitlupe analysiert werden musste, riss Elfriede eine Dose Drei Wetter Taft (Extra Stark) hoch und sprühte dem Terroristen direkt in die Augen. Während er schrie, schwang sie ihre schwere Lederhandtasche wie einen Morgenstern. KLAWUMM.

Epilog: Asche, Anarchie und ein Cognac
Vier Tage später. Die „Ocean Giant“ pflügte wieder friedlich durch das Mittelmeer. Hannes, Gerd und Elfriede saßen am Captain’s Table. „Trauer ist wie eine Säure“, sinnierte Hannes beim Dessert. „Wenn du sie nicht neutralisierst, frisst sie dich von innen auf. Die Gottwalds dachten wirklich, sie tun Gottes Werk.“
Zurück im Bergischen Land regnete es natürlich Bindfäden. Hannes parkte seinen alten Opel vor dem ‚Alt Langenberg‘. Er holte sich seine Zigarillos bei Frau Wiegand und setzte sich zu seinen Freunden an den Stammtisch. „Auf Langenberg“, sagte er und hob den bauchigen Schwenker mit dem guten Cognac. „Und darauf, dass wir hier keine Serienkiller haben. Höchstens mal jemanden, der seinen Deckel nicht bezahlt.“

0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0