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  • Die Tote von Anglona

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Don Natale

Don Natale Zwei Tage später kam Achim kurz vor Mittag gerade von den Einkäufen zurück und erschrak, als der ältere der beiden Carabinieri ihn auf seinem Handy anrief. Während er den Anruf annahm, schob er die Eingangstüre mit dem Fuß zu und stellte die Einkäufe auf den Esstisch. Der Carabiniere kam sofort zur Sache. «Ich will Ihnen nur sagen, dass die alte Frau eines natürlichen Todes gestorben ist. Der Gerichtsmediziner hat das bestätigt. Für Sie ist die Geschichte damit erledigt, der Staat wird Sie in Ruhe lassen.» Achim hätte ihm am liebsten gesagt, dass er schon erwarte, dass der Staat ehrliche Bürger nicht noch für ihre Ehrlichkeit bestrafe. Zumal der Carabiniere nicht einmal fragte, wie es ihm gehe oder ihm dankte, dass er sie gerufen hatte. Am liebsten hätte er gleich aufgelegt, aber der Carabiniere hielt schon die nächste Überraschung für ihn bereit. «Die Beerdigung ist bald und der Priester hat mich gefragt, ob Sie ihm helfen könnten, denn die Verwandten leben alle in Deutschland und sprechen nur Deutsch. Ich habe ihm Ihre Handynummer gegeben und gesagt, dass Sie sicher helfen werden.» Achim war so verblüfft, dass er gar nicht widersprechen konnte. «Wenn der Priester anruft, werde ich das machen, was möglich ist», antwortete er automatisch, ohne groß zu überlegen, worauf er sich da einließ. Nachdem der Carabiniere sich dankend verabschiedet hatte, lief Achim fluchend zwischen Küche und Esszimmer hin und her. Er rückte einen Stuhl zurecht, der etwas weit weg vom Tisch stand, blieb stehen, verwarf die Hände, drehte eine komplette Runde um den Tisch. «Wofür hält sich der eigentlich, verdammt nochmal!», schrie er auf Deutsch, ballte die rechte Faust und schlug damit in seine offene linke Hand. Nachdem er sich ausgeschrien hatte, schaute er beschämt um sich herum. Er war froh, dass ihn scheinbar niemand gehört hatte.

Achim setzte die kleine Espressokanne mit Illy Espresso auf den Gasherd und räumte die Einkäufe ein, bevor er mit dem Kaffee auf seine Terrasse ging. Es war zwar schon sehr heiß, aber der Blick auf den Val Sauro verfehlte wie immer seine Wirkung nicht und Achim entspannte sich. Jetzt im Sommer führte der Fluss praktisch kein Wasser, zumindest nicht an der Oberfläche. Achim wusste, dass der Fluss weiterhin unter dem Flussbett existierte, unter den Steinen, und meistens Wasser führte. In Jahren großer Dürre konnte aber auch dieser unterirdische Fluss versiegen. Dieses Jahr waren die Dürre und die Hitze so extrem, dass überall in Süditalien Waldbrände ausgebrochen waren. Vor knapp einem Monat hatte auch der Hang unterhalb seines Hauses gebrannt. Wer dort anhielt, konnte den Geruch des kalten Rauchs immer noch wahrnehmen. Von seiner Terrasse aus konnte er die verkohlten Büsche und Bäume erkennen. Sonst war der Anblick wie immer im Sommer, abgeerntete Felder, die gelb wirkten, weil das Gras dürr war, Weiden ohne Tiere, die woanders Zuflucht vor der Sonne suchten, dunkelgrüne Wälder, das wasserlose Flussbett, das sich ohne menschlichen Eingriff einen Weg bahnte, das kleine Industrieviertel direkt neben der kleinen Kirche der Madonna del Sauro. Auch einzelne Fahrzeuge und Menschen konnte Achim ausmachen. Minutenlang konnte er diese Aussicht auf Veränderungen untersuchen. Als der Priester anrief, saß Achim im Schatten der Pergola aus dunklem Holz in einem Sessel, den er auf einer Reise von Coverciano hierher gekauft und fast nicht in seine Giulia gebracht hatte. Daneben stand ein kleiner Beistelltisch, wo er ein Buch, sein Handy oder wie jetzt seinen Kaffee abstellen konnte. Ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen stand in der Sonne, dort war es erst nach Sonnenuntergang auszuhalten. Der Priester hieß Don Natale und sie verabredeten sich für den späteren Nachmittag bei dessen Kirche in Policoro. Dort wohnte die alte Frau also. Keine fünfzehn Kilometer bis Anglona, aber zu Fuß doch kaum zu bewältigen in ihrem Alter. Er beschloss, das Foto mitzunehmen, und realisierte erst dann, dass er dem Carabiniere nichts davon erzählt hatte. Eigentlich war ihm das recht. Das Verhalten des Carabiniere nahm jede Lust, proaktiv zu sein und sich ihm gegenüber kooperativ zu zeigen. Achim aß noch eine Kleinigkeit im Stehen, bevor er losfuhr. In Policoro stellte er sein Auto auf den großen Parkplatz in der Nähe der Parocchia Buon Pastore und sah beim Aussteigen den Priester vor der Kirche warten.

Don Natale schien mindestens siebzigjährig zu sein, hatte weißes kurzes Haar, die dunkle Haut der Leute des Südens, ihre dunklen Augen und einen durchdringenden Blick, der ihm ein strenges, fast bedrohliches Aussehen verlieh. Er trug einen schwarzen Anzug, der perfekt zur hageren Figur des Priesters passte, und über dem weißen Hemd war der Römerkragen gut zu sehen. Achims helle Hose, das hellblaue Kurzarmhemd, die weißen Turnschuhe und der Größenunterschied waren ein starker Kontrast zu Don Natales Erscheinung, obwohl der Priester mit rund einem Meter fünfundsiebzig eher groß für lokale Verhältnisse war. Auf dem Weg zu Don Natales Wohnung fragte dieser mit einer sanften Stimme, ob er den Weg einfach gefunden habe, und lachte laut los, als Achim antwortete, Kirchen seien nicht schwierig zu finden, mit einem Navigationssystem erst recht nicht. Don Natales kleine Wohnung war in einem Nebengebäude auf dem Gelände der Kirche, welches auch offenbar so etwas wie ein Kirchengemeindehaus mit Büroräumlichkeiten, Schulungs- oder Sitzungszimmer war. Als Achim eine Maske aufsetzen wollte, winkte der Priester ab. «Ich bin doppelt geimpft und einmal genesen. Ich nehme an, Sie haben ein gültiges Zertifikat, also können Sie es von mir aus auch lassen.» «Bei mir ist es umgekehrt, zuerst genesen und dann zweimal geimpft. Ich verzichte gerne auf die Maske», antwortete Achim erleichtert. In den Gängen roch es so penetrant nach Putzmittel, dass Achim die Nase rümpfte. In Don Natales Wohnzimmer hingegen verströmte eine Duftkerze einen angenehmen Orangengeruch. Don Natale bat Achim in seiner kleiner Küche Platz zu nehmen und setzte eine runde Espressokanne auf den Gasherd, nachdem er Wasser und Kaffee eingefüllt hatte. Bevor er sich zu Achim setzte, rührte er Kaffeeschaum in einer Espressotasse mit etwas Zucker und Kaffee an. Mit dem restlichen Kaffee füllte er die beiden kleinen Espressotassen aus bunt bemaltem Porzellan, verteilte den Schaum auf die beiden Tassen und stellte diese auf den kleinen Tisch, wo Achim schon saß.

Achim hatte die Frauen in Guardia Perticara dabei beobachtet, wie sie diesen Schaum herstellten, er selbst hatte es noch nie versucht. Der Espresso roch hervorragend. Achim nahm einen kleinen Schluck. Der Kaffee hatte eine deutliche Note von Nüssen und Kakao. Don Natale nahm einen Schluck, setzte die Tasse langsam ab und faltete die Hände wie zum Gebet, bevor er mit ruhiger Stimme zu erzählen begann. «Die Frau, die Sie in der Basilika gefunden haben, hieß Costanza Gentile. Sie wohnte hier ganz in der Nähe, kam regelmäßig zur Messe, ganz im Gegensatz zu ihrem Mann Gianfranco. Gianfranco hasste Priester und mich besonders. Er behauptete immer, ich hätte einen Röntgenblick und würde in die Seele der Menschen hineinschauen.» Don Natale musste dabei lachen und sein strenges Gesicht wurde auf einen Schlag hell und freundlich. «Ich habe Gianfranco vor fünf Jahren trotzdem beerdigt, weil das Costanzas Wunsch war. Ihr war das wichtig, denn sie wollte neben ihm beerdigt werden. Ihm war eine Beerdigung egal, er fand das hinausgeworfenes Geld.» «Sind das Signora Gentile und ihr Mann?», fragte Achim, zog das Foto aus der Brusttasche seines Hemdes und legte es vor dem Priester auf den Tisch. «Das könnte schon sein. Woher haben Sie das Foto?» Don Natale schien neugierig, nicht so distanziert wie die Carabinieri. Achim gefiel das, also beschloss er, ehrlich zu sein, und begann zu erzählen. «Ich bin in Deutschland aufgewachsen, habe aber seit ein paar Jahren ein Haus in der Basilikata, wohne dort mehr als in Deutschland. An dem Tag wollte ich eigentlich die Basilika in Anglona besuchen, konnte aber die Besichtigung nicht zu Ende führen. Also bin ich einen Tag später noch einmal dorthin gefahren und habe das Foto unter der Sitzbank gefunden, vor der die Verstorbene am Vortag saß.» Don Natale schlug die flache Hand auf den Küchentisch und fuhr Achim mit rauer Stimme so heftig an, dass dieser zusammenzuckte. «Sagen Sie den Namen, sagen Sie Costanza, oder meinetwegen Signora Gentile, sagen Sie nicht einfach die Verstorbene.» Achim war sprachlos, hatte den Faden seiner Erzählung verloren. Dafür nahm der Priester mit ruhiger Stimme die Erzählung wieder auf, die er angefangen hatte, bevor Achim ihn mit dem Foto unterbrochen hatte. «Costanza ist dort oben aufgewachsen, ihre Eltern hatten ein Bauernhaus etwas unterhalb der Kirche. Sie hat immer noch ihren Gemüsegarten dort oben gepflegt, ein paar Hühner gehalten und, soviel ich weiß, brachte sie immer wieder Olivenöl vom Hof mit. Der Mann zu ihrer Linken scheint Gianfranco zu sein und das Auto sieht wie das Auto von Costanza aus. Sie und ihr Mann hatten das Auto schon, als ich Priester in Policoro geworden bin. Die beiden anderen Männer auf dem Foto könnten ihre Brüder sein, Paolo und Claudio. Sie sind beide nach Deutschland ausgewandert. Deshalb brauche ich Ihre Hilfe. Paolo und Claudio wanderten in den 50er Jahren aus, Paolo war etwas über zwanzig und Claudio erst etwa sechzehn. Costanza und Gianfranco hingegen hatten entschieden, ihre Chance in Policoro zu suchen, weil viele Arbeitsplätze dank der Investitionen und neuen Gesetze entstanden. Costanza hätte es lieber gesehen, wenn ihr kleiner Bruder bei ihr und ihrer Mutter geblieben wäre, aber Claudio liebte das Abenteuer und reiste mit seinem Bruder nach Deutschland. Was dort passiert ist, weiß ich nicht genau. Costanza hat nicht gerne darüber geredet. Jedenfalls muss Claudio in Deutschland Blödsinn gemacht haben, ist nach Südamerika ausgewandert und spurlos verschwunden. Costanza und Paolo haben nie mehr von ihm gehört. Das hat Costanza immer beschäftigt, sie hat sich immer wieder Vorwürfe gemacht, sich selbst, aber auch Paolo, weil er als älterer Bruder hätte besser auf Claudio aufpassen müssen.» Don Natale sprach ohne Luft zu holen. «Paolo hingegen war ein harter Arbeiter, er heiratete eine Deutsche und tat alles, damit sein eigenes Kind ein gutes Leben haben würde. Er gab ihm sogar einen deutschen Vornamen, Markus. Dieser Markus hat wiederum eine Deutsche geheiratet. Sie ist die nächste noch lebende Verwandte von Costanza, denn sowohl Paolo als auch Markus sind tot. Paolos Frau lebt vielleicht noch, aber von ihr habe ich weder eine Adresse noch eine Telefonnummer. Nur von Paolos Schwiegertochter. Allerdings spricht sie kein Wort Italienisch, war auch nie hier in der Region und ich weiß nicht, wie ich sie überzeugen kann, zur Beerdigung zu kommen.» Achim schaute am Priester vorbei zum Küchenfester hinaus und atmete tief durch. Die Geschichte kam ihm allzu bekannt vor. Wenn diese Frau wie seine Mutter keinen Bezug zur Basilikata hatte, dann würde das ein schwieriges Unterfangen werden. Achims Vater hatte mit seiner Vergangenheit in der Basilikata abgeschlossen und zuhause kaum davon erzählt. Er war allerdings stolz, dass sein Sohn sich für Italien interessierte und Italien sogar zu seinem Beruf gemacht hatte. Florenz, Venedig, Verona, Cremona, Pisa, Siena, Lucca und noch viele Städte mehr hatten sie in seiner Kindheit bereist, die Kulturgüter besucht. Achim war überzeugt, dass sein Beruf aus diesen Reisen und den damit verbundenen Entdeckungen entstanden war. In die Basilikata waren sie jedoch nie gereist. Da gebe es nichts zu sehen, hatte sein Vater immer behauptet, das sei eine bitterarme Gegend, die keine Zukunft habe. Achims Mutter hatte deshalb nie Interesse für diese Region entwickelt. Achims Großeltern waren mit seinem Onkel nach Brescia ausgewandert und lange hatte Achim geglaubt, er habe in Italien keine anderen näheren Verwandte. Es fiel ihm schwer, den Priester zu enttäuschen. «Ich glaube nicht, dass das gelingt», begann Achim und schwieg gleich wieder, als er Don Natales Blick sah. Das musste der Röntgenblick sein, den Costanzas Mann gefürchtet hatte. «Schauen Sie mich nicht so an, da versteht man ja gleich, wieso Gianfranco Gentile Angst vor Ihnen hatte!» sagte Achim vorwurfsvoll. «Pierro war sein Name, nicht Gentile, Gianfranco Pierro. Costanza hieß Gentile.» Don Natale schien von der Aussage über seinen Blick unbeeindruckt. Er war sich wohl bewusst, wie er wirken konnte. «Pierro, wie der Poet Albino Pierro?», staunte Achim. «Ja, wie der Poet, aber ich weiß nicht, ob sie verwandt waren.

Wieso kennen Sie den Poeten Albino Pierro?» Nun war es der Priester, der erstaunt war. Achim wurde klar, dass er einiges über sich selbst preisgeben musste. Also begann er, über sich und seine Eltern zu erzählen. «Mein Vater war auch aus der Basilikata, ist wie diese beiden Brüder nach Deutschland ausgewandert, hat wie dieser Paolo», Achim tippte mit dem Zeigefinger auf dem Foto auf den älteren der Brüder, «auch eine deutsche Frau geheiratet und hat seinem Sohn auch einen deutschen Vornamen gegeben. Ich heiße nicht Gioacchino, sondern Achim, weil mein Vater überzeugt war, dass ich es dadurch im Leben besser haben würde. Achim ist die deutsche Form von Gioacchino. Wir waren sehr oft in Italien, einmal pro Jahr, aber die Basilikata habe ich erst nach dem Tod meines Vaters entdeckt. Seine Eltern und sein Bruder sind nach Brescia ausgewandert und wir haben sie jedes Jahr besucht. Bei meiner ersten Reise in die Basilikata lernte ich Verwandte kennen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Ich habe ein Haus und Landanteile in einer Gegend geerbt, die laut meinem Vater keine Zukunft hat. Eine Gegend, die mein Vater endgültig hinter sich gelassen hatte, mit seiner Frau und mir nie besucht hat. Meine Mutter war noch nie in der Basilikata. Verstehen Sie nun, wieso ich denke, dass es ein schwieriges Unterfangen ist?» Achim sah dem Priester direkt in die Augen. Nach einem kurzen Schweigen nickte Don Natale. «Durchaus, ich verstehe sehr, wieso Sie das denken, aber wenn es jemandem gelingen kann, dann Ihnen. Wer, wenn nicht Sie, versteht diese Frau, die zu der Beerdigung einer entfernten Tante kommen soll, die sie nie gesehen hat?» «Was wissen Sie über diese Frau?» Achim musste sich eingestehen, dass der Priester Recht hatte. «Nur den Namen, ihre Adresse und eine Telefonnummer.» Achim verzog das Gesicht, gerade viel war das nicht. «Sie ist die Frau des einzigen Sohns von Paolo Gentile, dem Bruder von Costanza Gentile. Ihr Mann hat Costanza gekannt, sie aber nicht. Denn sie war nie in der Basilikata. Habe ich das richtig zusammengefasst?» Don Natale nickte stumm und schaute ihn gebannt an. Achim zückte sein Handy. «Gut, ich versuche es. Geben Sie mir die Telefonnummer?» Don Natale schaute ihn liebevoll an und bedankte sich, erklärte, er habe die Informationen in seinem Arbeitszimmer liegen gelassen, und lief aus der Küche. Achim setzte seine Kaffeetasse an die Lippen und stellte fest, dass sie leer war. Er starrte sie an. Wie konnte er diese Frau überzeugen, zu der Beerdigung zu kommen?

Er musste Vertrauen erwecken, bei der Organisation der Reise Hilfe anbieten. Was noch? Weiter kam er in seinen Überlegungen nicht, denn Don Natale hielt ihm ein Blatt Papier mit den ausgedruckten Angaben entgegen. Die Frau hieß Julia Gentile und wohnte in Essen, höchstens eine halbe Stunde vom Viertel in Bochum, wo Achim aufgewachsen war und wo seine Mutter immer noch lebte. Er überlegte, ob er je jemandem im Ruhrgebiet begegnet war, der Gentile hieß. «Was ist, wieso rufen Sie nicht an?» Don Natale hatte sich wieder gesetzt, hielt den Kopf leicht nach rechts geneigt und fixierte sein Gegenüber. Achim hielt dem Blick stand und winkte mit dem Blatt. «Entschuldigung! Ich war in Gedanken versunken. Ich bin eine halbe Stunde entfernt von dieser Adresse aufgewachsen, meine Mutter lebt immer noch dort. Mein Vater kannte in der Gegend einige Auswanderer aus der Basilikata. An eine Person, die Gentile hieß, kann ich mich aber nicht erinnern. Aber ich werde mein Glück versuchen. Ich muss nur überlegen, wie ich vorgehe.» Achim fühlte sich vom Priester unter Druck gesetzt, wagte es aber nicht, sich zu wehren. Er spürte einen inneren Widerstand, diese Brücke zwischen der Basilikata und Deutschland nicht zu schlagen. Als ob eine innere Stimme ihm sagen würde. «Tu es Achim! Sonst wirst du es bereuen! Du musst es tun!» Achim hielt den Blick des Priesters nicht mehr aus, stand auf und lief ins Wohnzimmer. Er war viel zu unruhig, um überzeugend zu wirken. «Es geht nicht um dich, Achim!», sagte er laut auf Deutsch. «Du bist nur der Überbringer einer Botschaft. Du hilfst diesem alten Mann, der nur seine Pflicht tut. Es geht nicht um dich, nicht um deinen Vater! Du kannst helfen, weil du dir vorstellen kannst, wie deine Mutter reagieren würde. Das kann der Priester nicht. Nur du kannst das jetzt tun! Beherrsch dich und tu es!» Achim atmete noch einmal tief durch, gab sich einen Ruck und lief zurück in die Küche. Der Priester schaute ihn gebannt an, ohne etwas zu sagen. Achim setzte sich, nickte und sagte, er sei bereit.

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