Direkt zum Inhalt
Die Community für Leser
Konfuzius Tempel Tainan

Reiseland

Meine Reise von Deutschland nach Taiwan

Tainan: Meine Unternehmungen – Sehenswürdigkeiten 1/2

Konfuzius Tempel
Fort Zeelandia
Kaitai Tianhou Tempel Anping
TreeHouse


Nach dem sensationellen Frühstück im Hotel Shangri-La begebe ich mich auf Erkundungstour. Es ist Anfang Januar, die Temperaturen liegen bei angenehmen 15 Grad und sollen in den nächsten Tagen sogar noch steigen.
Ich habe kein spezielles Ziel im Sinn und so streife ich als Erstes durch die Straßen von Tainan, um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen und das Flair auf mich wirken zu lassen. Der Verkehr auf den Straßen ist rege, ein paar Autos und jede Menge Mopeds.
Die Fußwege sind ein bisschen abenteuerlich, zumindest nicht so akkurat, wie ich es von Deutschland gewohnt bin. Leider zwingt mich dieser Umstand aufzupassen, wo meine Füße hintreten. Aber ich habe Zeit und bleibe stehen, wann immer mir danach ist, und schaue mir alles an.
Die Gerüche ändern sich alle paar Meter. Essen, Räucherstäbchen, Zigaretten, Abgase (vor allem von den Mopeds). Daran muss ich mich noch gewöhnen.
An jeder Ecke kann ich mich hier förmlich niederlassen und ein Straßenessen genießen. Obwohl genießen der falsche Ausdruck ist. Denn hier fahren die Mopeds nicht nur auf den Straßen, sondern überall, wo Platz ist, und somit auch auf den Fußgängerwegen. Das finde ich ein wenig nervig. Gewöhnungsbedürftig sind auch die Eigenheiten der Mopedfahrer, wenn sie beispielsweise ein paar Zentimeter hinter mir in eine vermeintliche Parklücke schießen. Die Zweiräder bestimmen das innere Stadtbild und den Lärmpegel.

Da ich ohnehin keinen Hunger habe, entscheide ich mich gegen das Straßenessen, zumal der Kochbereich in meinen Augen nicht unbedingt hygienisch wirkt. (Das ist mein Eindruck und muss nicht tatsächlich zutreffen.)

Hinweis:
Willst du hier Geld abheben, es gibt Geldautomaten wie anderswo auch. Allerdings musst du sie  finden. Ich hatte beim ersten Mal Schwierigkeiten. Denn hier hängt alles voll mit unzähligen Schildern, Reklame blinkt überall und alles ist total bunt. Ich hab den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen bzw. den Automaten nicht wegen all der Schilder. Wenn du mal etwas nicht findest, frage ganz einfach einen Einheimischen danach. Sie sind meist sehr hilfsbereit und werden dir helfen. Die Leute sind sogar so hilfsbereit, dass sie bis zum gesuchten Punkt mitgehen. Das hat mich überwältigt und beeindruckt.

Konfuzius Tempel
Während meiner Erkundungstour lande ich in der Nanmen Rd. und treffe inmitten des Straßenlärms auf eine kleine Parkanlage. Hier ist es friedlich und ruhig. Eine Wohltat nach all den Abgasen, Mopedgeräuschen und der vielen Reklame, die mein ungewohntes Gehirn total stresst.
Die Anlage ist sehr gepflegt. Überall sehe ich Bonsai-Bäumchen, die natürlich größer sind, als die in den Blumentöpfen auf der Fensterbank. Aber hier stehen auch richtig gigantische, sehr alte große Bäume (Banyan-Bäume, auch Bengalische Feige genannt), die ich total interessant finde.

Wie ich gelesen habe, ist Konfuzius der größte Pädagoge in der chinesischen Geschichte gewesen. Dieser Tempel ist für Taiwanesen und Chinesen ein Ort, um Konfuzius zu ehren. Vor mehr als 300 Jahren war dieser Tempel in Tainan Sitz der örtlichen Schule – der ersten Schule Taiwans – und ist somit zu einem besonderen Bauwerk in der Architektur der Han-Kultur geworden.
Seither wird er immer wieder renoviert und instand gehalten. Der Stil hat sich seit seiner Erbauung, Informationen nach im Jahre 1665, im Laufe der Zeit etwas verändert, er hat sich sozusagen weiterentwickelt.

Meinen ersten Tag in Tainan lasse ich im Hotel ausklingen, denn der Jetlag macht sich noch immer bemerkbar. Und nicht nur der, sondern auch mein Magen. Inzwischen ist es später Nachmittag und ich habe Hunger. Mein Hotelzimmer hat das Personal inzwischen picobello auf Vordermann gebracht. Frisches Obst steht auf dem Tisch und die Kaffee- und Teetheke wurde auch aufgefüllt. Ich springe rasch unter die Dusche und begebe mich anschließend in die ›Happy Hour Lounge‹. Das Büffet ist reichlich und ich weiß gar nicht, was ich zuerst probieren soll, also beschließe ich, einfach von allem zu kosten und packe mir zuerst ein paar Dumplings, Minikuchen und reichlich Obst auf den Teller, dazu eine Tasse Reissuppe und begebe mich an einen ruhigen Platz. Bis 20.00 Uhr habe ich Zeit, dann wird das Büffet abgeräumt. Was aber nicht heißt, dass die Lounge dann geschlossen wird. Mein Wissen mache ich mir zunutze und hole mir, bevor die Küche schließt, noch einmal alles, was ich möchte. Mein Platz in der Lounge sieht jetzt aus wie eine gedeckte Tafel für vier Personen. Danach gehe ich in mein Zimmer und falle zufrieden in mein übergroßes 2,40 Meter breites Bett.

Fort Zeelandia
Am Tag darauf habe ich eine Tour in den westlichen Teil der Stadt geplant, nach Anping (der historische Kern der Stadt) zum Fort Zeelandia. Nach dem ersten Kilometer Fußweg entschließe ich mich, ein Taxi zu nehmen. Denn vor mir taucht ein Platz auf, auf dem mehrere der gelben Fahrzeuge stehen und nur darauf warten, mich chauffieren zu dürfen. Ich spreche einen der Fahrer auf Englisch an und erkläre ihm, dass ich nach Anping möchte. Er scheint zu überlegen und macht den Eindruck nicht richtig verstanden zu haben, weshalb ich den Namen des Stadtteils mehrmals wiederhole. Ein weiterer Taxifahrer, der uns belauscht hat, klinkt sich jetzt in die Unterhaltung ein. Er sagt "Ah, Aaaanping". Für mich hört es sich nicht anders an, als das, was ich sagte, aber jetzt macht sich der erste Fahrer verständnisvoll bemerkbar. Ich steige ein und los geht’s.

Im Fort Zeelandia ist wieder alles sehr gepflegt und mit zurechtgestutzten Bäumchen umsäumt. Zudem gibt es einen Vorgarten mit vielen lustigen Schäfchen aus Stein. Und wieder stehe ich ehrfürchtig vor einem Monstrum an Baum und entdecke gleich noch ein paar weitere. Ich liebe diese Banyan-Bäume.
Seitlich vom Eingang springt eine Person als Affe verkleidet lustig herum und verkauft Luftballons.
Anschließend betrete ich das Fort über eine breite, lange Steintreppe und treffe, wie nicht anders zu erwarten in einem Fort, auf einige Kanonen aus früherer Zeit.

Im Gebäude der Festungsanlage lese ich alles über die Geschichte dieses Forts.
Etwa Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Taiwan immer wieder durch andere Nationen eingenommen bzw. besetzt. Erst kamen die Chinesen und Japaner, auf sie folgten die Holländer und Spanier. Im Norden und Süden Taiwans bauten sie Städte als Basis für ihren Handel.
Im Jahr 1624 kam die holländische Ostindien-Kompanie und baute Fort Zeelandia – eine große Militärfestung und Kolonialstadt.
Fort Zeelandia besteht aus dem oberen und dem unteren Hauptfort und einem äußeren Fort. Dort befanden sich die Kasernen, Gefängnis, Speicher usw.

Von der Terrasse aus, die um das Gebäude herumführt, habe ich einen tollen Ausblick auf die Umgebung. Von hier aus blicke ich auf den Kaitai Tianhou Tempel, mein nächstes Ziel.

Kaitai Tianhou Tempel Anping
Da Anping der historische Kern der Stadt Tainan ist und es hier viel zu sehen gibt, bleibe ich natürlich noch ein bisschen. Ich habe mich gut vorbereitet und mir zuvor auf meiner Stadtkarte ein paar Punkte markiert, die ich aufsuchen möchte. Und dazu gehört meine nächste Anlaufstelle: der Kaitai Tianhou Tempel.

Er ist der größte Tempel im Anping Distrikt und soll meiner Karte nach direkt neben dem Fort Zeelandia stehen. Dabei ist es für mich gar nicht so einfach, ihn zu finden, denn zu meinem Pech verlasse ich das Fort Zeelandia über einen anderen Ausgang und finde den Tempel deshalb nicht gleich. Nicht zuletzt wegen meines eher schlechten Orientierungssinns.
Es gibt größere und kleinere Gassen, und Straßennamen zu finden, ist teilweise Glückssache. Aber ich gebe nicht auf und plötzlich stehe ich vor ihm, dem Kaitai Tianhou Tempel. Er ist beachtlich und normalerweise nicht zu übersehen, zumal er auf einem Tempelplatz steht.
Man kann den Platz über ein gigantisches Portal betreten, aber auch wie ich über eine Seitengasse. Genauso wie in vielen anderen asiatischen Ländern auch, ist der Tempel eingepfercht zwischen Wohn- und Geschäftsgebäuden. Zudem gibt es Unmengen an Reklameschildern und Girlanden und Wimpel, die über die Straße gespannt sind, die mich etwas verwirren.
Der Tempel selbst und auch das Portal sind unfassbar schön anzusehen.
Wie ich gelesen habe, ist dieser Tempel einer der wichtigsten Orte für den Matsu-Glauben. Alle 4 Jahre wird hier das Matsu-Fest gefeiert.
Wie schon zuvor im Fort Zeelandia ist es auch hier im Kaitai Tianhou Tempel angenehm ruhig und er ist ohne Stress zu besichtigen.

Tree House Anping
Ich bin noch immer in Anping und mache mich auf den Weg zu meiner nächsten Station. Das heißt, meine Füße sind inzwischen ein wenig müde und ich sehe ein Taxi, das nur auf mich zu warten scheint. Der Fahrer schaut mich ein wenig seltsam an, als ich ihm mein Ziel präsentiere, denn es befindet sich nur ein paar Straßen weiter. Ich lächle freundlich, pflanze mich auf die Rückbank und bin im Handumdrehen an Ort und Stelle.

Durch einen diesmal relativ schlichten Eingang betrete ich das Gelände. Der Eintritt kostet mich 35 Taiwan Dollar, was umgerechnet etwa 1 Euro entspricht
Ein großes 2-stöckiges Gebäude, das mir bereits von der Straßenseite her aufgefallen ist, strahlt mir weiß entgegen – das ehemalige Handelshaus Tait & Co. (britische Handelsfirma). Es stammt aus der japanischen Kolonialzeit Ende des 19. Jahrhunderts. Die Terasse beider Etagen ist überdacht und hat etliche Rundbögen. Es erinnert mich an Kolonialbauten der Südstaaten.
Aber wo ist denn nun das Tree House? Ich muss nicht lange suchen. Hinter diesem schicken Gebäude stoße ich auf einen Banyan-Baum. Das heißt, ich kann nicht genau sagen, ob es ein Baum ist oder mehrere. Er ist absolut gigantisch mit seinen unzähligen Wurzeln. Mittendrin steht ein Haus aus Stein und ist ringsum, komplett von den Wurzeln des Banyan-Baumes umschlungen. Quasi eine Baum-Haus-Symbiose.
Wer das erste Mal hierherkommt, sollte sich dieses Baumhaus nicht entgehen lassen. Es ist der Wahnsinn. So etwas habe ich zuvor noch nie gesehen, mir noch nicht einmal vorstellen können, dass es so etwas gibt.
Daneben steht noch ein flaches Haus, vielleicht gehört es auch zu dem ersten. Ich kann es nicht genau deuten, denn es ist nicht nur umschlungen von den Wurzeln, der Baum wächst von innen heraus. Es wirkt irgendwie mystisch, vielleicht auch ein klein wenig gespenstisch.
Das ehemalige Dach des Hauses ist jetzt eine Baumkrone, die von einem Stahlgerüst gestützt wird.
Das Tree House ist ebenso wie das Tait & Co. Merchant House während der japanischen Kolonialzeit Ende des 19. Jahrhunderts erbaut worden und war damals ein Lagerhaus.

Nach reichlich viel Natur und viel Entspannung drehe ich in den Straßen von Tainan noch ein paar Runden, bis ich mich wieder zurück ins Hotel begebe.

Im nächsten Teil geht es weiter mit den von mir besuchten Sehenswürdigkeiten. Sei wieder dabei!

  • Fort Zeelandia Tainan
  • Kaitai Thiahou Tempel Tainan
  • Tree House Tainan
  • Aussicht vom Fort Zeelandia Tainan
7
2
0
2