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  • Stegnontitis - Sklaven der Angst

Genre

Darum geht es in diesem Thriller



Du hast getötet. Beweise untermauern deine Tat. Doch du erinnerst dich nicht.
Ein Schuss ins Herz, ein weiterer in den Kopf. Eine Studentin stirbt direkt vor den Augen ihrer Mitbewohnerin.
Wenige Tage darauf wird der Direktor eines Forschungsinstituts tot aufgefunden. Wieder ein Schuss ins Herz, ein zweiter in den Kopf. Dieselbe Waffe, mit der auch die Studentin getötet wurde. Doch der Mörder ist ein anderer.
Inspector Aidan Carter glaubt nicht an Zufälle. Keiner der Täter erinnert sich an sein Handeln. Dazu gibt es eine weitere Gemeinsamkeit – beide leiden unter einer Angststörung. Und obwohl die Beweise unwiderlegbar sind, zweifelt Carter an deren Schuld.
Als sich die Morde häufen, beginnt eine dramatische Hetzjagd gegen die Zeit, bei der Carter alles daran setzt, um das nächste Opfer zu retten …

Leitgedanke

Gedanken fliehen durch das Licht.
Verweilen, entschwinden, sind allgegenwärtig.
Die einen sind gut – klein und unschuldig
wie zarte erste Blütenblätter,
die sich durch den letzten Rest
des inzwischen grau gewordenen Schnees
ins Licht kämpfen.
Die anderen sind schlecht – wie eine wilde Bestie
lauern sie im Untergrund,
gefangen im Käfig, tief verborgen.
Mutter sagte immer: Sprich nicht mit Fremden!
Warum nur habe ich nicht auf sie gehört?
Ich habe mit dem Fremden nicht nur gesprochen,
ich habe ihn sogar hereingebeten.
Er war so nett, freundlich.
Dabei hat er bloß gewartet. Gewartet auf den richtigen Moment,
die Bestie gestreichelt, gefüttert – und dann abgerichtet
entlassen in die Finsternis.

Prolog

Kälte frisst sich durch sein Fleisch, nagt erbarmungslos an seinen Knochen. Doch Larry erfriert nicht – noch nicht. Einmal hatte er gelesen, dass der Tod kommt, wenn die Kälte aufhört.
Der Boden unter ihm ist hart und eisig. Wahrscheinlich nur ein Albtraum – einer von vielen in den letzten Monaten, die ihn immer wieder schweißgebadet aus dem Schlaf gerissen hatten. Dabei verabscheut er es zu träumen, weil er darin gefangen ist. Und er weiß, das Einzige, was dagegen hilft, ist aufwachen.
Dieses Mal ist es anders. Wie ein Fötus liegt er zusammengerollt und zittert am ganzen Leib. Einen Arm um die Knie geschlungen, den anderen über der Brust. Sein Kinn presst er dazwischen, um sich wenigstens einen Hauch an Wärme zu verschaffen.
Die Kälte fühlt sich erschreckend echt an, beinah greifbar, und so gefährlich nah an der Grenze zur Wirklichkeit. Genau wie damals, als er aus dem Waisenhaus abgehauen war, weil ihn Vater, wie sie ihn ansprechen mussten, wieder einmal in sein Zimmer befohlen hatte. Nur war das kein Traum gewesen. Darum war er lieber auf die Straße geflüchtet, als dieses Martyrium noch einmal über sich ergehen zu lassen. In der Nacht, bekleidet mit nur einer dünnen Leinenhose und einem Hemd, hatte er dann sein Vorgehen bitter bereut. Tage hatte er ausgeharrt, war halb erfroren und ausgehungert, bis ihn Beth und Loreena fanden und zu seinem Glück bei sich aufnahmen.
Heute ist er nicht mehr dieser kleine Junge und vermutlich einfach nur aus dem Bett gefallen. Sicher liegt er gerade ohne Decke auf dem Boden. Das wäre zumindest eine Erklärung dafür, dass er so elend friert.
Er muss also nur die Augen öffnen, zurück ins Bett krabbeln und unter die warme Decke schlüpfen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Dennoch versucht er es. Er strengt sich an, gibt sich alle Mühe, die Lider zu heben.
Stopp! Hier stimmt etwas nicht.
Dieser Gedanke lässt ihn die Kälte für einen Moment vergessen. Er stemmt sich vom Boden hoch, setzt sich auf und tastet sein Gesicht ab. Die Hände sind klamm. Trotz allem fühlt er sie – seine Augen. Sie sind längst offen. Im Schlaf? Wie ist das möglich?
Er kann nichts sehen, es ist stockdunkel. Seine Augen hetzen umher und in welche Richtung er seinen Kopf auch dreht, ist da weder Mondlicht noch ein Stern, nicht mal ein Schatten, sondern nur pechschwarze Nacht.
In dem Moment kriecht eine altbekannte Angst durch seine Eingeweide. Er hat völlig vergessen, dass er kurz davorsteht, aus der Wohngemeinschaft zu fliegen. Dieses Mal will Beth Ernst machen, das hat sie ihm klipp und klar angedroht. Er schuldet ihr inzwischen zwei Monatsmieten, und wenn er die nicht zurückzahlt, fliegt er raus. Nur weiß er nicht, wie er das anstellen soll – wie auch ohne Job. Doch das hat er Beth und Loreena bisher verschwiegen.
O mein Gott, schießt es ihm durch den Kopf.
Bei dem Gedanken wird ihm ganz übel und er umschlingt seine Knie noch fester, zieht die Beine noch näher an seinen Körper heran. Dabei wippt er beinah rhythmisch vor und zurück. Beth hat ihre Drohung wahr gemacht und ihn rausgeschmissen. Jetzt ist er obdachlos, haust wie damals auf der Straße.
Aber warum erinnert er sich nicht daran? Womöglich will ihn sein Verstand vor den seelischen Qualen schützen und hat deshalb die letzten Stunden oder gar Tage ausgeblendet.
Nein, das ist Unsinn.
Wenn ihn sein Verstand schützen wollte, dann hätte er ihm einen genialen Einfall gegeben, der Geld einbringen und ihn vor der Obdachlosigkeit bewahren würde.
»Zsss.«
Aus dem Nichts leuchten zwei gelbe Augen vor ihm auf – kalt und unheimlich, nicht menschlich. Eine Katze? Ein Streuner vielleicht, wie sie oft in den Straßen herumschleichen? Er lauscht. Diese Geräusche, das Zischen. Nein, das kann keine Katze sein. Das ist … eine Schlange!
Der Schreck schießt wie ein Pfeil durch seinen Magen, während sein Herz bis rauf in den Hals hämmert. Verzweifelt kämpft er gegen die Panik an, doch die eiserne Klaue klammert sich um ihn wie ein Schraubstock.
Seine Atemzüge werden immer schneller, immer flacher. Gleich wird er hyperventilieren, er ist nahe dran, das Bewusstsein zu verlieren. Den Druck im Kopf hält er kaum aus. Wie ein Sturm rauscht das Blut in seinen Ohren – das Einzige, das er in diesem Moment noch wahrnimmt.
Wird er allmählich wahnsinnig, verliert er den Verstand oder ist das alles real?
O bitte, lass es einfach nur einen Scheißalbtraum sein, fleht er still. Ich rühre auch nie wieder einen Tropfen Alkohol und Drogen an. Versprochen!
Die Schlange, trotz Dunkelheit, er erkennt ihre Silhouette ganz deutlich. In einer Welle gleitet sie über den Boden, kommt näher, den vorderen Teil ihres Körpers aufgerichtet. Ihre gelben Augen sind direkt auf seiner Gesichtshöhe, fixieren ihn, bohren sich in seinen Blick. Sie faucht ihn an, als wollte sie sich jede Sekunde auf ihn stürzen.
Wo ist er hier bloß hingeraten und vor allem, wie?
In der Stadt gibt es kein Tier dieser Art. Demnach kann er nur im Wald sein, umgeben von dichten Baumkronen. Ja, so muss es sein. Nachts dringt kein Lichtschein zwischen dem Blätterdach hindurch. Der Grund, warum er von totaler Finsternis umhüllt ist.
»Zsss.«
Wieder blitzt ein Augenpaar vor ihm auf, nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. Er will zurückweichen, kann sich jedoch nicht von der Stelle rühren. Seine Glieder sind inzwischen völlig steif gefroren.
Im Wahn reißt er seinen Kopf herum. Er keucht. Spürt kaum, dass die Luft wie Nadeln in seine Kehle sticht. Hektisch schaut er in alle Richtungen. Kalter Schweiß perlt über seine Schläfe in das rechte Auge und trübt seinen Blick. Noch mehr Punkte leuchten auf und verschmelzen zu gelben Schlieren.
Schlangen, überall. Sie haben ihn umzingelt.
Da!
Er hört ein Röcheln, ganz in seiner Nähe.
Gott sei Dank.
Erleichterung strömt durch seinen Körper. Er weint vor Glück, denn er ist nicht allein.
Wer ist da, will er rufen. Er muss sich beeilen und dringend bemerkbar machen. Derjenige wird ihm helfen, hoffentlich, aber seine Stimme gehorcht ihm nicht, so sehr er sich auch anstrengt. Nicht mal ein Flüstern bringt er über seine Lippen, außer …
Die Erkenntnis trifft ihn mit voller Wucht. Ihm wird ganz schwindelig. Das Röcheln, er selbst ist derjenige.

Das Zischen der Schlangen wird lauter.
»Zsss.«
Hört auf, seid endlich still!
Sie rücken näher. Jetzt spürt er ihre kleinen gespaltenen Zungen – direkt an seinem Ohr. Rasch presst er beide Hände darauf, die einzige Chance, die er hat.
Er wimmert. Geht weg!
Wie damals als kleiner Junge kneift er seine Lider fest zu, schlägt um sich und strampelt mit den Beinen. Aber auch das vertreibt die Biester nicht. Er hält es nicht mehr aus, jemand muss doch in der Nähe sein und ihn von den Viechern befreien. Ihm helfen!
Angst jagt seine Kehle hinauf, der Schrei vibriert bereits auf seinen Stimmbändern. Er öffnet den Mund – und verstummt im selben Atemzug.
Die wütenden Kreaturen springen auf ihn zu, eine nach der anderen. Sie kriechen in seinen Schlund, schlängeln sich durch seine Eingeweide, durch seine Blutgefäße, zerfetzen mit ihren Giftzähnen seine Adern.
Das Fieber hat ihn fest im Griff. Ihm wird heiß und er sehnt sich nach Abkühlung. Schweiß dringt aus seinen Poren, rinnt über die Haut, sein Blut kocht und er droht innerlich zu verbrennen.
Unaufhaltsam versprühen die Bestien ihr Gift. Sie wollen ihn töten, das weiß er jetzt. Doch er will nicht sterben, nicht auf diese Art. Er wünschte, Beth und Loreena würden seine Hand halten, er hat nur die beiden, aber sie sind nicht hier. Er ist mutterseelenallein.
Sein Magen und Darm krampfen, ihm ist schlecht und gleich muss er sich übergeben. Er kippt zur Seite, krümmt sich. Sein Schädel droht jeden Moment zu platzen und sein eben noch trockener Gaumen wird feucht. Flüssigkeit bildet sich in seiner Mundhöhle. Der Schrei steckt noch immer in seiner Kehle und bahnt sich endlich den Weg nach oben.
Er nimmt all seine Kräfte zusammen und schreit seine Angst, Verzweiflung und Hoffnung hinaus, so laut er kann. Das Einzige, das jedoch zu hören ist, ist ein klägliches Gurgeln.
Blut quillt dick zwischen den Zähnen hervor und tropft in schmierigen Fäden aus seinem Mund. Seine Venen, Organe, der Schädel explodieren förmlich. Tausende Sterne, die aufleuchten und wieder verlöschen.
Erschöpft liegt er auf dem harten, eisigen Boden. Der Schmerz lässt endlich nach, und Ruhe – eine seltsame, trügerische Ruhe – breitet sich in seinem Körper aus. Und mit einem Mal ist er sich einer Sache ganz sicher: Das alles ist kein Traum, es ist real.
Das letzte Licht verlischt, der letzte Stern, und er gleitet hinüber in völlige Dunkelheit.


Liebe Leserinnen und Leser! Hat euch der Prolog gefallen? Würdet ihr gern noch ein oder vielleicht auch zwei weitere Kapitel vorab als Leseprobe durchschmökern? Wenn ja, dann könnt ihr mir das mitteilen, indem ihr unter dem Text bei den Emotionsworten ›bitte mehr‹ anklickt. Beachtet dabei bitte, dass ihr nur eins von den vielen Emotionswörtern anklicken könnt.

Eure Emilia Benedict

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