Buchtitel
Autor
Darum geht es in dem Buch
Enthüllungen eines Babys
So ein Baby hat’s nicht leicht, weder im Mutterleib noch außerhalb.
Umgeben von lauter Lulatschen und zig anderen Leuten, von denen ulkigerweise jeder Doktor heißt, was für ein langweiliger Name, wird es strengstens rund um die Uhr bespitzelt. Aber das Schärfste an diesem ganzen Zirkus, die wollen es aus seinem Apartment to go, andere nennen es Fruchtblase, hinauswerfen. Eine Zeit lang schlägt es sich tapfer, bis es gewaltsam herausgezerrt wird.
Eben erst angekommen muss das Baby feststellen, diese Welt ist kalt und grausam. Zum Glück dauert es nicht lange und es trifft auf seine Eltern, die Mama und den Papa. Bei ihnen fühlt es sich wohl und geborgen. Auch Freunde lassen nicht lange auf sich warten. Gleich nach seiner Geburt kommt es in eine Zelle namens Inkubator. Dort lernt es Teddy und die Spieluhr Birne kennen. Kurz darauf gerät es mit dem frechen Kobold Pittiplatsch aneinander, der letztlich sein Freund wird.
Mithilfe von Teddy, Birne und Pitti zeigt das Baby den Lulatschen, wer hier der eigentliche Boss ist.
Humorvolle Erzählung aus Sicht eines Früchtchens, von seiner Entstehung, über die Geburt bis hin zu alltäglichen Erlebnissen und Entdeckungen.
Vorwort
Hi, ich bin’s, Baby-Schatz. Ich gehe davon aus, dass dies mein Name ist. Zumindest nennen mich alle so, mal Baby, mal Schatz. Sie sind sich nicht ganz einig, vielleicht ist das aber auch irgend so ein neumodischer Doppelname. Heutzutage machen sie ja aus fast allem einen Namen.
Hab mal gehört, wie ein Mann eine Frau mit Alte Schachtel angesprochen hat. Vollkommen verrückt, sag ich dazu. Der Vorname war ja noch einigermaßen passend, denn die hatte schon mindestens zwanzig oder dreißig Jahre auf dem Buckel. Aber der Nachname Schachtel, ich weiß ja nicht.
Wer die alle sind, woher soll ich das wissen? Hab sie noch nie gesehen, immer nur gehört. Warum? Na, weil ich noch nicht draußen bin. Ich habe mich in der letzten Zeit so daran gewöhnt, dass ich beschlossen habe, noch ein bisschen hierzubleiben.
Ich bin Baby-Schatz
Vorname: Baby
Nachname: Schatz
Mein Apartment to go
Ich bin ein fröhliches Wesen. Am Anfang war ich nur eine kleine Bohne, doch seitdem bin ich gewachsen. Bin jetzt sozusagen vollwertig. Ich habe Arme, Beine, Finger und Zehen und ich denke, der Rest kann sich auch sehen lassen.
Vor ein paar Monaten bin ich in diese Einraumwohnung gezogen. Aber das habe ich mir nicht aussuchen können, denn ich bin nicht wirklich eingezogen. Son Typ hat mich quasi in einem Affentempo in Richtung Haustür geschleudert. Und das war’s dann auch. Um den Rest durfte ich mich selber kümmern. Der hatte nicht mal so viel Anstand, mich bis zur Wohnung zu bringen. Hat mich ohne Erklärung liegen lassen. Service geht zweifellos anders.
Zu der Zeit war ich nicht allein unterwegs. Der Typ hat nämlich noch einige mehr von meiner Sorte hierher geballert, einen nach dem anderen, einfach so neben mich hingepfeffert. Am Ende hat sich dieser Typ verdrückt und uns eiskalt zurückgelassen.
Wir waren eine riesige Meute und es stand nur ein einziges Apartment zur Verfügung. Dieser Umstand machte uns zu rücksichtslosen Konkurrenten. Gleich darauf kam von oben ’ne kurze Ansage und schon ging das Rennen los.
Klar, dass da jeder der Erste sein wollte. Also bin ich mit meinen Fruchtwasser-Rivalen um die Wette geschwommen und hab dabei alle der Reihe nach abgehängt. Aber was soll ich dazu noch weiter sagen. Ich habe gewonnen, logisch oder?
Verantwortlich für die ganze Rangelei um das Apartment war nur dieser Typ. Jetzt lungert der ständig in meiner Nähe herum. Erst dachte ich ja, er wäre irgendeiner von diesen Spannern, die sich nachts immer herumtreiben. Doch dann stellte sich heraus, er ist mein Papa. Nicht dass irgendwer denkt, ich bin übertrieben leichtgläubig, nee, nee. Das hat er mir von draußen zugeflüstert. Und meine Mama hat nichts Gegenteiliges dazu gesagt. Also habe ich ihm mit einem High five signalisiert, dass ich ihm glaube.
Das hat ihn beinah aus den Latschen gehauen. Er fing voll an zu heulen. Dann rief er aufgeregt zu meiner Mama, sie solle mal schnell herschauen. O Mann, ich hab mich total gekugelt vor Lachen. Ist ja schließlich ihr Bauch und sie sieht andauernd, wie sich irgendeine Beule daran abzeichnet. Mal von meiner Hand, mal von meinem Fuß oder wenn ich Purzelbäume schlage. Ich nehme an, sie wollte ihm die Freude nicht verderben, denn sie hat mitgemacht und tat ebenso erstaunt. Finde ich voll anständig von ihr.
Ich habe das Glück, immer reichlich Getränkevorrat im Haus zu haben. Meine Wohnung ist voll mit fruchtigem Wasser. Vielleicht sollte ich sie in Aquarium umtaufen oder so. Hab mal gehört, draußen gibt es dafür noch ’nen ganz anderen Namen. Die sagen Fruchtblase dazu. Na ja, jeder wie er denkt.
Eigentlich wollte ich ’ne WG gründen. Doch daraus wurde nichts. Bereits am Tag der Einberufung haben sie uns gesagt, es dürfte nur einer hier drin wohnen. Inzwischen finde ich das nicht mehr so schlimm. Ich bin eher froh, dass ich auf die gehört habe. Ein Zweiter von meiner Sorte hätte jetzt ganz sicher keinen Platz mehr.
Meine Hütte ist total chillig. Die Wände sind gepolstert und schalldicht. Und wenn ich will, kann ich trotzdem hören, was draußen abgeht, und zwar alles. Dazu muss ich nur mein Ohr an die Wand drücken und ganz leise sein.
Aber das Beste, ich wohne quasi in einem Apartment to go. Es befindet sich im Bauch von der Frau, die mir nie von der Seite weicht. So komme ich bequem von einem Ort zum anderen.
Die Frau ist meine Mama. Das weiß ich schon, seit ich hier eingezogen bin und viel länger als sie selbst. Ist wahrscheinlich Intuition, oder wie nennt man einen genialen Verstand sonst?
Anfangs wusste sie nicht, dass ich da bin, doch mittlerweile hat sie es geschnallt. Wenn sie mit mir spricht, und das tut sie sehr oft, dann erzählt sie mir schöne Geschichten. Manchmal singt sie sogar ein Lied für mich. Das finde ich nett von ihr.
Codename: Ultraschall
Seitdem mich dieser Typ, also mein Papa, in Richtung Apartment geschleudert hat, bin ich ein begeisterter Sportler. Angefangen hat das mit dem Wettkampf im Sprint, den ich damals ganz klar gewonnen habe. Später waren dann Purzelbäume meine Lieblingsbeschäftigung, immerzu. Das ging total ab.
So war das bis vor wenigen Tagen. Jetzt ist das anders. Ich bin mächtig gewachsen und stoße permanent irgendwo dagegen. Für körperliche Aktivitäten habe ich einfach keinen Platz mehr.
Diesen Ottos da draußen gefällt das nicht. Die haben eben keinen Schimmer, was hier drin los ist. Na ja, wie auch. Trotzdem wollen die unbedingt, dass ich weitertrainiere. Wahrscheinlich brauchen die einen Gewinner bei Olympia. Sicher, das wäre eine Kleinigkeit für mich, aber da spiele ich nicht mit. Ist auch viel zu eng hier drin. Das Problem ist nur, zur Strafe soll ich jetzt ausziehen.
Woher die wissen, was ich den ganzen Tag lang so mache? Das liegt doch klar auf der Hand. Ich werde bespitzelt. Hab ich selber herausgefunden.
In den ersten Wochen war das nicht so, nur ganz selten. Aber je älter ich wurde, umso schärfer wurde das Ding mit der Überwachung. Die haben völlig ungeniert und dazu laut über mich geredet, die ganze Zeit. Und die denken echt noch immer, ich bekomme davon nichts mit.
Fehlanzeige. Ich höre alles ganz genau. Vom ersten Tag an habe ich verfolgt, was sie machen und sagen.
Liebe Leserinnen und Leser! Hat euch die Leseprobe gefallen, dann lest doch gern das ganze Buch. Über Kommentare und Bewertungen zu dem Buch würde ich mich sehr freuen.
Eure Emilia Benedict