Thema
- Kinder
Manche Kinder kuscheln mit flauschigen Teddybären, treuen Stoffhunden oder majestätischen Plüschlöwen. Und dann gab es mich. Mein nächtlicher Beschützer war weder behaart, noch besaß er Pfoten.
Es war eine niedliche gelbe Stoffbanane, die ich liebevoll auf den Namen „Nane“ getauft hatte. Beim Aufräumen fiel Nane mir ganz zufällig aus einer alten Erinnerungskiste in die Hände. Sofort war die ganze Nostalgie einer unbeschwerten Kindheit wieder da. Was für Außenstehende lediglich ein Stück Plüschobst war, bedeutete für mich die Welt.
Heute, viele Jahre später, sitze ich mit meiner alten Banane auf dem Teppich und beobachte meine Tochter beim Spielen. In ihrem Arm liegt ihr eigener, ganz besonderer Kuschelfreund.
Meine Tochter liebt ihren Puuh-Bären. Nicht nur ein bisschen, nicht phasenweise, sondern mit einer Hingabe, die nur Kinder kennen. Seit ihrer Geburt begleitet er sie. Ob beim Einschlafen, auf Reisen, in Krankheitsnächten oder an Tagen, an denen die Welt plötzlich zu groß erscheint: Puuh ist nicht mehr wegzudenken. Dieser Bär hat schon so viel erlebt. Er war dabei, als sie zum ersten Mal gelacht hat, ihr erstes Wort gesagt und laufen gelernt hat. Er hat Tränen getrocknet, Erfolge gefeiert und unzählige Spiele mitgespielt. Puuh kennt Urlaube, Geheimnisse, Wutanfälle und Glücksmomente. Der Bär liegt neben ihr, wenn sie sich krank fühlt, und in ihren Armen, wenn sie Trost braucht.
Was für uns wie ein abgewetztes Plüschtier aussieht, ist für sie ein Stück gelebtes Leben. Waschen darf ich Puuh-Bär übrigens nicht. Der Geruch sei dann weg, sagt meine Tochter. Zuerst habe ich das nicht verstanden. Inzwischen weiß ich, dass dieser Geruch für sie keine Unsauberkeit ist, sondern Vertrautheit. Kinder speichern Erinnerungen nicht nur in Worten. Sie speichern sie auch in Gerüchen, Berührungen und Gegenständen, die ihnen Halt geben. Der Bär riecht nach Zuhause. Nach Nähe. Nach all den Nächten und Tagen, in denen sie sich sicher gefühlt hat.
Ein Lieblingskuscheltier ist deshalb viel mehr als ein Spielzeug. Es ist ein stiller Begleiter, ein Tröster, ein Zeuge der Kindheit. Ein Kuschelfreund hilft unseren Kindern, Gefühle auszuhalten und ihnen im Alltag mehr Halt zu geben. Und vielleicht sollten wir Erwachsenen uns öfter daran erinnern, wie wichtig solche kleinen Dinge sind. Denn unsere Kinder brauchen Vertrauen, Liebe und Geborgenheit, um selbst mutig, mitfühlend und stark zu sein.
Wenn meine Tochter ihren Bären umarmt, hält sie nicht nur ein Plüschtier fest. Sie hält ihre Erinnerungen fest und damit auch ein Stück ihrer Zukunft.
Kolumnist*in
Eureka Palmer ist im Gesundheitswesen tätig und entdeckte früh ihre Liebe zur Literatur. Sie schreibt in unterschiedlichen Genres und richtet dabei den Fokus auf lebendige Beschreibungen und authentische Figuren. In den Ferien zieht es die Autorin mit ihrer Familie ans Meer, wo die frechen Ostsee-Möwen Zuhause sind und das Wellenrauschen ihre Inspiration anregt.
Kommentare
Diese Kolumne habe ich mit einem Grinsen und Erinnerungen im Hinterkopf gelesen. So ähnlich habe ich auch die Erinnerungen an den Teddy aus meiner Kindheit. Meine Mutti hatte mir den Teddy aus ihrer Kindheit geschenkt, dementsprechend "zerrupft" sah er aus, und ich habe ihn so sehr geliebt. Er war auch immer dabei, egal wohin es ging.
Eine ganz wunderbar geschriebene Kolumne!
das ist sehr bewegend geschrieben und viele Erinnerungen werden wach.
sooo schön
Emilia_Benedict Mo., 21.09.2026 - 00:07