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Kolumne • Kinder – unsere Zukunft

Thema

  • Kinder
Meinung

Gelächter auf dem Schulhof, spielende Kinder. Die Klingel ertönt und signalisiert, die Pause ist vorbei.
Meine Kumpels und ich gingen immer als Letzte zurück in unsere Klasse, wir hatten Wichtiges zu bereden. Was machen wir nach der Schule? Wo treffen wir uns heute?

Außer Atem rannten wir hinein. Lautes Gejohle und Getrampel beherrschte die Flure, allmählich füllten sich die Räume. Was wir dort für Kalorien verbrannten, beim Fußballspielen, Nachlaufen und Fangen der Klassenkameraden, das war Hochleistung pur.
Aufgeregt darüber, was am Nachmittag anstand, tuschelten wir während des Unterrichts und konnten nicht still sitzen. Wir hatten Pläne, die wir nicht vernachlässigen durften. In den Wald oder auf den Spielplatz? Mit dem Fahrrad oder doch lieber ohne? Wer kam mit und was mussten wir mitnehmen?
So vieles, was überlegt werden musste, da ging der Unterricht nicht selten an uns vorbei.
Einige schrieben Freundschafts- ja sogar Liebesbekundungen auf kleine Zettel, die sie dann von einer Sitzreihe zur nächsten zum Empfänger wandern ließen. Dafür hatte ich nun wirklich keine Zeit.
»Sollen wir die mitnehmen, heute Nachmittag? Was meint ihr«, fragte ich meine Kumpels?

Alles, was wir taten, sollte Spaß machen und möglichst abenteuerlich sein. Wir wollten etwas Neues erleben. Manchmal lagen wir aber auch zu zweit oder zu dritt einfach nur im Gras oder saßen auf einem Ast und beobachteten Tiere.
In der Umgebung gab es wundervolle Wälder mit viel Moos und sehr alten Bäumen. Zwischen ihren Ästen zwängte sich die Sonne hindurch, es war märchenhaft und ich fühlte mich in eine andere Welt versetzt. Ich kletterte auf die dicken Arme eines Bäume und wartete – etwas würde passieren. 
Dann, wie aus dem Nichts, sprang mir ein Eichhörnchen auf die Schulter. Weder erschrak noch zuckte ich, ich war eins mit dem Wald. Ich drehte den Kopf, sah das kleine Lebewesen an, und es rannte nicht weg.
Nach ein bis zwei Minuten huschte es weiter und eine Art Zufriedenheit erfüllte mich. Ein gelungener Tag!

Kaum war das Eichhörnchen davongeflitzt, geschah das nächste Wunder. Ein Buntspecht krallte sich unmittelbar neben mich an den Stamm des alten Baumes, auf dessen Ast ich saß. Er hatte einen Plan, das war offensichtlich. Ohne mich zu beachten, hackte er wie ein Presslufthammer ein Loch hinein. Wow, dachte ich, was für ein schöner Vogel.
Genau wie das Eichhörnchen ließ er sich von meiner Anwesenheit nicht stören. Ich bewegte mich langsam, aber ich bewegte mich. Die Tiere hatten keine Angst und sahen mich einfach als Teil des Waldes. Das war ein klasse Gefühl!

Diese Zeit war die beste meines Lebens. Hatten es andere Kinder auch so gut wie ich, frage ich mich machmal. Damals wusste ich noch nicht, dass die rosafarbene Zeit, die Kindheit, zu einer schwarzen im Erwachsenenalter werden würde, unser Sport auf dem Schulhof, der einfach nur Spaß gemacht hat, zu einer inneren ’Zwangshandlung’, um dem anderen Geschlecht zu gefallen.
Keiner meiner Kameraden wusste damals, dass er nie wieder im Gras liegen würde, um Tieren zu lauschen oder sie zu beobachten.
Aus Ungezwungenheit wurde im Laufe des Lebens Zwang, wenn auch oft nur ein innerer. Aus Freude wurde immer mehr Ersatzbefriedigung. Keine Zeit für die Natur, die Lebewesen, die uns umgeben. Ich frage mich, ob sich Tiere ebenso verändert haben wie wir? Kann ich mich heute auf einen Baum setzen und erwarten, dass sich ein Eichhörnchen oder ein Buntspecht neben mich setzt?
Wurde aus Rosa Schwarz?

Kolumnist*in

Louis Melloy ist leidenschaftlicher IT-Experte, schreibt aufklärende Texte und seine Meinung über menschliches Verhalten. Er schreibt in den Genres Philosophie, IT-Sicherheit, IT-Sachbuch und Aufklärung. Zudem hat er das CWR – Framework und das SoT – Siegel entwickelt. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Medien und Lehreinrichtungen.

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Kommentare

renet So., 27.09.2026 - 16:01

Mit dem text kommt auch meine Errinerung an alte Zeiten zurück, als ich in der Schule war. Der Text trifft es haargenau und ich kann mich damit identifizieren. Schön!

springmaus Mo., 28.09.2026 - 01:19

Bei uns in der Schule war immer ein riesen Krach, vor, nach und während der Pausen. Je nach Lehrer war es im Unterricht mal still und ein anderes mal machte jeder was er wollte. Manche Lehrer empfand ich nicht gerade als Autorität. Die Geschichten mit den Tieren finde ich sehr schön, leider ist mir so etwas nicht passiert. Gefreut hätte mich das schon. Als Kind so etwas erleben muss echt schön sein. Sehr schöner Text!

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