Thema
- Kinder
Als Kind hatte ich den Eindruck, Erwachsene sind zwar da, nehmen aber nicht am Leben von Kindern teil. Die Großen, die auch so unglaublich alt waren, so kam mir das damals vor, sind zwar überall präsent, interessieren sich aber kaum für Kinder.
Meckern, schreien und Verbote aussprechen, das schien ihre Lieblingsbeschäftigung zu sein. "Mach dies nicht", "Geh da raus", "Das darfst du nicht", diese Worte hatte ich, und bestimmt auch andere Kinder, so oft gehört, dass mir jedes Mal die Haare zu Berge standen!
Die beste Lösung für das Erwachsenenproblem war, in die Natur zu gehen. Ich suchte mir einen Platz, an dem es keinen dieser Miesepeter gab.
Eines muss ich dazu sagen: Meine Eltern gehörten nicht zu diesen Nörglern, nur manchmal.
Ich durfte mich zu den glücklichen Kindern zählen, die auf dem Land aufgewachsen sind. In jegliche Richtung gab es nur Natur und ich gelangte problemlos und relativ zügig mit dem Fahrrad dorthin. Am Ort der Wahl angekommen gab es dann doch ein Problem – den Förster!
Gehörte er doch ebenfalls zu der Nörglergruppe, er war ja schließlich ebenfalls ein Erwachsener. Warum sind die so, fragte ich mich des Öfteren?
Endlich hatte ich einen schönen Platz gefunden, schon musste ich mir den Kopf darüber zerbrechen, was dort erlaubt war und was nicht, obwohl mich das nicht im Geringsten interessierte. Was auch der Grund war, warum ich erst daran dachte, nachdem mich ein etwas älterer Artgenosse (ein Kind, das ein paar Jahre älter war als ich) darauf aufmerksam machte.
So muss sich ein Gefängnis anfühlen, dachte ich. Regeln und Verbote, wie soll man da etwas lernen? Ich wollte ausprobieren, meiner Fantasie freien Lauf lassen und kreativ sein. Verbote und Regeln kamen mir da nur in die Quere, und das empfinde ich heute nicht anders.
Sinnvoll und unsinnig sind nun einmal etwas völlig Unterschiedliches. Als Kind hatte ich überhaupt kein Verständnis für das verkniffene Verhalten der Erwachsenen. Was ich schon damals als noch schlimmer empfand, waren Heranwachsende, auch Teenager genannt, die es den Alten gleichtaten. Alle benahmen sich, als wären sie die Größten, und jeder von ihnen hatte mehr zu sagen als der andere und fühlte sich wichtiger.
Nur schnell erwachsen werden, dann kann ich auch auf den anderen herumtrampeln, dachte ich. Nein, das werde ich nicht tun! Ich werde nicht so dumm sein und einfach nur nachmachen, was die anderen tun. Ich will wissen, warum etwas nicht erlaubt ist. Wenn ich erwachsen bin, werde ich es den Kindern dann erklären und darf sie nicht einfach anschreien und ihnen alles verbieten.
Ich war sehr froh, dass meine Eltern keine Nörgler waren. Andere Erwachsene, Teenager und Verhaltenskopierer reichten mir da völlig. Ich hatte damals das Gefühl, je älter ich wurde, umso mehr war erlaubt. Das war der einzige Antrieb, älter werden zu wollen. Meine Kindheit war das Beste meiner gesamten Lebenszeit und heute weiß ich, dass ich großes Glück hatte. In diesem Lebensabschnitt habe ich die Grundlagen von dem gelernt, was mich heute ausmacht. Jeder Erwachsene und Möchtegernkommandant sollte sich bewusst sein, dass er für die Entwicklung vieler Leben verantwortlich ist – auf die ein oder andere Weise, selbst wenn er nicht an der Zeugung beteiligt war.
Wenn Erwachsene verstehen würden, was Kinder für ihre Zukunft bedeuten ...
Kolumnist*in
Louis Melloy ist leidenschaftlicher IT-Experte, schreibt aufklärende Texte und seine Meinung über menschliches Verhalten. Er schreibt in den Genres Philosophie, IT-Sicherheit, IT-Sachbuch und Aufklärung. Zudem hat er das CWR – Framework und das SoT – Siegel entwickelt. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Medien und Lehreinrichtungen.